Sonntag, 20. Dezember 2009

Award of Garden Merit (AGM)

In vielen Büchern der Royal Horticultural Society finden sich Pflanzen, welche dieses Symbol tragen. Es ist eine Markierung für die RHS Auszeichnung "Award of Garden Merit" kurz AGM.

Seit Februar 2011 gibt es ein neues Logo
Das Symbol bedeutet, dass diese Pflanze von der RHS auf Gartentauglichkeit geprüft wurde und von der RHS empfohlen wird. Zweck ist in der Flut von aufkommenden neuen Sorten die besten zu selektieren und damit dem Gärtner die Wahl leichter zu machen. Mit den Jahren hat sich diese Auszeichnung derart etabliert, dass Pflanzen mit dem AGM-Symbol eine bessere Vermarktungschance haben. 
Üblicherweise wird mit dem Symbol auch die Frosthärte indiziert. (siehe dazu meinen Blogeintrag zu "RHS Frosthärtezonen")


Die Kriterien für eine Auszeichnung sind: die Pflanze
  • muss verfügbar sein
  • muss herausragen in Gebrauch und Dekoration
  • muss von guter Beschaffenheit sein
  • darf keine hohen Pflegeansprüche haben oder schwierig zu kultivieren sein
  • darf nicht leicht anfällig für Krankheiten oder Schädlinge sein
  • darf keine Tendenzen zum Sortenrückfall zeigen
RHS Versuchsfeld mit Delphinium

Freitag, 10. Juli 2009

RHS Hampton Court Palace Flower Show 2009

Im Juli besuchte ich meine zweite Garten- und Blumenausstellung in England. Wieder eine RHS Show, dieses Mal die Größte in Hampton Court Palace. Dank meinem Arbeitskollegen Barry bekam ich eine freie Eintrittskarte, ansonsten hätte ich wohl diese Show nicht gesehen. Denn mit ca. 35Pfund Eintrittspreis war es ein noch teureres Vergnügen als Malvern Spring Show.

Barry stellte seine private Rubus-Sammlung aus, zeigte die Variationsbreite der Gattung und dass "Brombeeren" eben doch dekorativ sein können. Hampton Court hat zu diesem Zweck ein Zelt, in dem mehrere Privatleute oder Baumschulen ihre "National Collections" zeigen und die Leute darüber unterrichten, sowie fachlichen Expertenrat geben.

Barrys Darstellung seines Rubus-Gartens
Barry gewann mit seiner Ausstellung Gold und war ganz stolz. Auch mir gefiel seine Darstellung, dass sogar Brombeeren in einem Garten zierlich und schön aussehen können.


Die Show ist mitten in London, was für mich ein Alptraum wäre dort mit dem Auto hinzufahren, wo ich noch nie in London mit dem Auto war, nicht weiß wo genau diese Show stattfindet und auch kein Navigationssystem besitze. Mit dem Zug zu fahren erschien zunächst teuer, wäre aber wesentlich stressfreier, zumal auch kein Parkplatz gesucht oder bezahlt werden müsste. Zum Glück stellte sich heraus, dass meine Freundin Emma am gleichen Tage ebenfalls zur Show fahren wollte. So konnte ich letztlich erleichtert bei ihr mitfahren.

Die Anreise war am Ende erstaunlich einfach (wenn man weiß wohin). Von der M3 abgefahren war es gut ausgeschildert und nur ein paar Kreisverkehre und eine ca. 5km kurvige Strecke später, kam der eigens für die Ausstellung organisierte Parkplatz in Sicht. Auf dem Parkgelände wurde eine Tagesgebühr von 10Pfund fällig. Dafür war der Fußweg nicht weit. Nach ca. fünf Minuten waren wir bereits dort.

Hampton Court Palace Flower Show 2009


Das Schaugelände war um einiges größer als das in Malvern. Ansonsten war es ziemlich ähnlich strukturiert, wenn auch hier mehr und größere Schaugärten zu sehen waren, und viele riesige Ausstellungszelte mit Zierblumensorten, floristischer Kunst, Rosen- oder Gemüsesorten aufgestellt worden waren. Auch wesentlich mehr professionelle Betriebe zeigten Gewächshäuser, Gartenmöbel usw., aber alles schien hier noch mehr auf die betuchte Gesellschaft abgestimmt. Zum Teil recht ausgefallen oder modern konnte man hier tausende von Pfund für z.B. Wasserspiele oder kleine Burgruinen ausgeben, wenn man denn das nötige Kleingeld hatte und den Platz.



Ebenso waren manche Schaugärten exzentrisch, andere richtig clever und einfallsreich oder einfach nur wunderschön. Auch hier wurde zwar geschummelt, allerdings fiel mir es hier nicht so extrem auf wie in Malvern. Vielleicht waren die Gartendesigner in Hampton Court einfach professioneller und besser?


tropischer Garten im Boden mit Spiegelwänden


Zu meiner Freude fand ich drei Bonsai-Aussteller in einem der riesigen Zelte.
  • Bushukan Bonsai, Essex 
  • Derbyshire Bonsai und 
  • Mendip Bonsai um John Trott.
Ich bekam große Augen, hatte ich ausgewachsene Bonsai bis dahin eigentlich noch nicht richtig gesehen. Meine Emotionen kochten hoch. Ich machte ein paar Bilder und starrte die Bäumchen einfach nur fasziniert an. Der Besitzer guckte seltsam (oder ich bildete es mir ein), so dass ich mich wie ein ertapptes Schulmädchen fühlte und schnell in der Menge verschwand. Mir ist mein eigenes Verhalten selbst unerklärlich. Wahrscheinlich war ich ganz einfach so hingerissen von der Pracht der Bonsai.

Larix decidua als Wald, ca. 35-39 Jahre alt. Mein Lieblings-Bonsai dieser Ausstellung und definitiv ein "Will-ich-auch!!"-Exemplar
Fantastischer Wacholder Juniperus chinensis 'Itoigawa'
 

Ich brauchte ein bisschen Zeit, um mich zu beruhigen und ausgeglichener zurückzugehen. Zu guter Letzt kaufte ich einen dreijährigen Ginkgo biloba von John Trott, Mendip Bonsai. Zwar hatte ich schon ein paar Ginkgos (damals als Unterlage aus Deutschland gekauft), aber ich wollte mehr Material zum Ausprobieren und Üben haben. Warum Ginkgo? Schließlich nicht gerade ein Anfänger-Bonsai aber ich liebe diesen Baum unheimlich!

Somit waren die Bonsai letztlich der Höhepunkt dieser Ausstellung für mich gewesen. Alles andere war damit in den Hintergrund gerückt. Zurück nach Hause ging ich mit diesen wunderbaren Eindrücken und den Fotos und natürlich mit dem kleinen Ginkgo.

Samstag, 9. Mai 2009

RHS Malvern Spring Gardening Show 2009

Die britische Gartengesellschaft RHS (Royal Horticultural Society) veranstaltet jedes Jahr mehrere Gartenschauen pro Jahr, wovon Malvern, Chelsea und Hampton Court wohl die bekanntesten sind. Bis dahin hatte ich nur vage von diesen Shows gehört, konnte mir also nicht recht vorstellen was ich zu erwarten hatte.

Die RHS Malvern Spring Gardening Show findet traditionell Anfang Mai statt. Mein erster Besuch einer englische Blumen- und Gartenschau. Ich war ganz aufgeregt. Eine völlig neue Erfahrung. Bisher hatte ich, soweit ich mich erinnern kann, nur ein paar Bundes- oder Landesgartenschauen in Deutschland besucht, die man mit den englischen Flower Shows allerdings so gar nicht vergleichen kann.

Der Eintritt war mit 20Pfund mir persönlich recht teuer, aber angeblich war das eher niedriger Durchschnitt und völlig normal. Die Anreise war etwas langwierig, liegt das Gelände etwas außerhalb und zudem war der Andrang sehr groß, so dass die angrenzenden Wiesen in Parkplätze umfunktioniert wurden.


Das Showgelände wird jedes Jahr aufs Neue verwendet. Somit sind alle Schaugärten, Stände und Pavillons nur für die eine Woche aufgebaut und werden danach entweder verkauft oder entsorgt. Das Gelände in Malvern erschien mir zunächst recht groß. Die Karte in meiner Hand war überfüllt mit Informationen und Sehenswürdigkeiten. Wohin zuerst? Da außerdem tausende Menschen mit Ellenbogen und kleinen Plastikkarren unterwegs waren, machte es das Schauen und Fotografieren schwieriger.

Es gab unzählig viele tolle Sachen zu sehen. Alle Stände boten ihre Ware zum Verkauf an, so dass ich ein ums andere Mal mir einen eigenen Garten wünschte. Da gab es Steinfiguren, Statuen und Ornamente zur Gartendekoration, Gartenmöbel, Gartenpavillons oder Gewächshäuser, Kunstobjekte und Skulpturen, allerlei Gartengeräte von billig Rosenscheren bis zu teuren Markenprodukten. Und jede Menge Pflanzen zu kaufen. Baumschulen, Gärtnereien und Gartenzentren nutzten diese Gelegenheit für sich zu werben und neben dem eigentlichen Geschäft in der Showwoche massig Extra umzusetzen, da sehr viele Amateure bzw. reiche Leute mit teuren Hüten zu Besuch waren. Die beste Kundschaft vermute ich mal.

Ein Drittel des Geländes diente zur Präsentation der Schaugärten. Junge Landschaftsarchitekten und Designer zeigten ihre Talente. Wie ich hörte sind diese Flower Shows extrem teuer als Teilnehmer, aber so gut wie unumwindbar, wenn man in der Designerwelt etwas erreichen will. Denn sie dienen als wichtiges Sprungbrett in den Markt.

"All the Right Notes, But..." by Andy Tudbury

"Not Any Garden, My Grandmas" by Jack Dunckley
Jeder Schaugarten und jeden Blumenausstellung wird zu Beginn der Show von einer ausgewählten Gruppe Richter gewertet. Kriterien wie Thema, Pflanzenwahl und Ausführung werden bewertet und zeigen sich am Ende in Form von Medaillen (bronze, silver, silver-gilt und gold). Wobei durchaus mehr als eine Goldmedaille vergeben werden kann. Eine besondere Auszeichnung ist "Best in Show", die von den Besuchern gewählt wird.



Allerdings wurde in diesen Schaugärten viel geschummelt. Viele dieser Pflanzen würden niemals so einträchtig zusammen in einem Garten wachsen, weil beispielsweise die Standortansprüche komplett verschieden sind (Schattenpflanzen neben Sonnenpflanzen usw.) oder weil die Blütezeiten natürlicherweise gar nicht zusammen fallen. Hier wurden also die Pflanzen künstlich manipuliert zu diesem Zwecke und somit nur schön anzusehen für eine Woche, aber als Inspiration für den eigenen Garten völlig zwecklos. Schade. Ich war enttäuscht, sozusagen verarscht zu werden.

In einem riesigen Festzelt präsentierten spezielle Baumschulen und Gärtnereien ihre Pflanzenauswahl und Neuzüchtungen. Farne, Hostas, Heuchera, Fuchsien, Dahlien, Chrysanthemen in den verschiedensten Sorten waren jeweils dargestellt. Auch Bonsai fand ich dort. Fasziniert blickte ich auf die professionell angezogenen Exemplare und träumte davon, dass meine Bonsai eines Tages auch so aussehen würden. Bis dahin hatte ich eigentlich noch nicht viele Bonsai gesehen, während meine eigenen alle sehr junge Sämlinge waren, statt ausgewachsene Bonsai wie diese.


Ich konnte nicht umhin mir weitere Jungware zu kaufen. Ginkgo biloba hatte ich bereits, wollte aber mit einem weiteren experimentieren. Ebenso sah ich einen wunderschönen japanischen Ahorn mit panaschierten Blättern in der Ausstellung, wobei ich panaschierte Blätter sonst eher nicht mag. Denselben bot der Bonsaiexperte als Jungpflanze an. Somit wanderte auch ein Acer palmatum 'Kagiri Nishiki' in meine kleine Sammlung. Freudestrahlend trug ich meine Errungenschaften nach Hause.
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