Mittwoch, 13. Juli 2011

Roy Lancaster Garten

Roy Lancaster ist ehemaliger Kurator und einer unserer zwei Patrone für Hillier Garten, Pflanzensammler, Autor und Medienmensch in der Pflanzenwelt. Berühmt wurde er in seiner Jugend für seine China-Reisen und die folgenden Pflanzenentdeckungen und -einführungen in die britische Pflanzenkultur.

Auf der Arbeit im Garten sehen wir ihn relativ häufig, sei es mit Schülergruppen oder alleine. Ich habe ihn als sehr grundständigen, offenen und freundlich Menschen kennen gelernt, der nur zu gerne seine Reisegeschichten und Erfahrungen teilt. So bot er uns Gärtnern von Hilliers an, seinen privaten Garten zu erkunden und seinen Geschichten zu lauschen. Für mich war das eine große Ehre sein privates Reich betreten zu dürfen, obwohl er vielen Gruppen im Jahr seinen Garten offenbart.

Unweit von Hilliers entfernt, trafen wir uns alle nach Feierabend in seiner Einfahrt, wo er uns herzlich willkommen hieß. Eine weitere Gärtnergruppe schloss sich uns an, so dass wir etwa 20 Leute waren.


Schon im Vorgarten zeigte sich die Vielfalt und Rarität seiner Pflanzen. Jede Pflanze hat ihre eigene Geschichte und Roy zeigte auch gleich sein Talent Menschen an seinen Mund zu fesseln. Deswegen waren wir schließlich alle gekommen mehr oder weniger.

Der Garten ist in keinem bestimmten Design gepflanzt, vielmehr dient er als Heimat für Roys Sammlung, wenn auch ähnliche Habitate zusammen gruppiert wachsen. Ganz nach dem Motto seines Buches "What Plant Where" überzeugte die wilde Mischung allein durch die üppige Pracht, die glückliche Pflanzen offenbaren.




Da Roy ständig innerhalb Englands unterwegs ist und aber auch nach wie vor regelmäßig nach China reist, wollten wir natürlich wissen, wer denn seinen Garten pflegt, wo doch diese Raritäten von unwissenden Gartenpflegern nur allzu leicht Schaden nehmen. Er selber nehme sich die Zeit Unkraut ziehen, antwortete er, während ein guter Freund ihm beim Hecke schneiden oder Rasen mähen helfe.

Weit waren wir nicht gekommen. Immernoch im Vorgarten, hatten wir bereits eine Stunde Roys Abenteuern gelauscht, während er sich langsam den Kletterpflanzen an der Hauswand zuwendete, nachdem er feststellte, dass der Abend doch voranschritt.


Roy hat die meisten seiner Pflanzen mit einem kleinen schwarzen Schildchen versehen. Dennoch wollte ich mich nicht durch die Beete wühlen, um jeden einzelnen Pflanzennamen herauszufinden, passend zu meinen Fotos. Dennoch beeindruckte mich die Art seiner Aufzeichnungen, wo er doch jede Pflanze auswendig und im Schlaf kannte. Ebenso inspirierte mich Roy seinem Beispiel zu folgen und fortan ein kleines Notizbuch immer bei mir zu tragen, um dort alle möglichen Sachen über Pflanzen, Gartenbesuche etc. zu notieren.

Außerdem lernten wir Roys Ehefrau Sue kennen, die uns freundlich mit Wein, Schorle und selbst gemachten Häppchen bewirtete. Es gab ausreichend Gelegenheit beide auszufragen. Sue ist Roys rechte Hand und übernimmt viel der Tipperei für seine Artikel oder Bücher und das archivieren. Roy erzählte mit einem Schmunzeln auf den Lippen, dass Sue lieber bunte Blumen im Garten hätte, als seine zum Teil "langweilig" aussehenden Schätze.

Einige seiner Besonderheiten erkannte ich von der Arbeit wieder. Als einer der engsten Freunde zum Garten, teilt er alle seine pflanzlichen Errungenschaften mit Hilliers. Da gab es Carpinus fangiana, Acer capillipes und natürlich die berühmte Quercus monimotricha neben vielen anderen.

fruchtende Carpinus fangiana
Für mich war es eine fantastische Erfahrung, den Menschen Roy Lancaster näher kennen zu lernen, seinen Abenteuern und Geschichten zu lauschen und seine Pflanzensammlung zu bewundern. Auch die Art und Weise zu sehen wie er seinen Garten pflegt und welche Prioritäten er persönlich beim Gärtnern hat.
Wie gerne würde ich wiederkommen und jede Pflanze im Einzelnen studieren. Aber ich glaube, so freundlich ist Roy dann doch nicht. Sonst hätte er ja am Ende Dauerbesuch aus aller Welt.

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