Donnerstag, 21. Juni 2012

Jost Wallis Garten

Jost lernte ich im Januar 2012 über das Internet kennen. Hört sich erst einmal merkwürdig an, bedeutet aber nur, dass wir Emails miteinander schrieben. Jost als leidenschaftlicher Pflanzensammler, jagte einen seiner Lieblinge Quercus monimotricha (siehe Profil auf Oaks of the World Website oder Oaks of Chevithorne Barton) hinterher. Ein schwieriges Unterfangen, da diese Eiche sehr selten ist, nur von Liebhabern vermehrt wird und nicht kommerziell vertrieben werden darf. Seit zehn Jahren war er auf der verzweifelten Suche und fand schließlich meine Q. monimotricha in meiner Bonsaisammlung im Internet.

Es entstand ein sehr freundlicher Kontakt und reger Email-Austausch mit Vorfreude auf Josts Traumerfüllung, die begehrte Eiche bald sein Eigen nennen zu dürfen. Im Juni dann war es soweit. Ich fuhr für eine Woche nach Deutschland, um Familie und Freunde zu besuchen und junge Sämlinge der Eiche nach Tecklenburg zu bringen.

Josts Haus und privates Arboretum war nicht leicht in den Feldern zu finden, zumal ich stolzer Kartenbenutzer bin, statt Navigationssystem. Ging ja früher auch ohne, und so war am Ende alles gut. Jost hieß uns sehr herzlich mit Kaffee und Kuchen willkommen. Sogleich fingen wir rege an über Gärten, Pflanzen und England zu reden. Jost ist ein Magnolien-Experte und hat eine beeindruckende Sammlung in seinem Garten. Ich konnte es kaum erwarten auf Erkundung zu gehen. Dummerweise hatte ich weder Notizbuch noch Kamera oder genug Zeit dabei. Wie dämlich von mir zu denken innerhalb von zwei Stunden durch seinen Garten zu streifen. Natürlich lange nicht genug Zeit.

Jost versuchte in der knappen Zeit mir so viel wie möglich zu zeigen und sprühte vor Enthusiasmus. Sein Gartenassistent Rico war von ähnlichem Virus angesteckt. Ich kam mir gänzlich unwissend vor, von all diesen Magnolien, Eichen, Palmen und anderen speziellen Bäumen scheinbar kaum etwas zu erkennen. Ich versuchte so viel wie möglich in mich aufzusaugen.

Anfang der 80er Jahre begann Jost seine gesammelten Bäume in den Garten zu pflanzen, reiste selber viel (mit der Magnolia Society), um neue Exemplare seiner Sammlung hinzuzufügen, fand ähnlich gesinnte Freunde oder profitierte von den richtigen Kontakten, ähnlich dem meinen. Somit waren alle Bäume nicht älter als 30 Jahre. Dabei sahen manche Bäume mit ihren wuchtigen Stämmen älter aus.

Erstaunlicherweise wachsen viele Exoten in Josts Garten und scheinen jedes Jahr dem deutschen Frost zu trotzen. Allerdings hat Jost sein eigenes kleines Patent entwickelt, die empfindlichsten Pflanzen zu schützen. Sehr simpel, aber sehr effektiv. Einige Pflanzen erkannte ich dann doch, hatte sie jedoch noch nie in Deutschland wachsen sehen. einer meiner favorisierten Kiefern Pinus engelmannii war dort tatsächlich auch zu finden. Noch relativ jung und klein im Vergleich zu dem riesigen Exemplar, das wir im Hillier Garten stehen haben, aber dennoch wunderschön.


Die Zeit verging viel zu schnell und ich bereute den Tag so eng verplant zu haben. Jost gab Vollgas, erzählte von seinen Kreuzungsversuchen und Handbestäubungen, während ich völlig fasziniert von einem Baum zum nächsten ging. Das wäre auch mein Traum, ein eigenes kleines Arboretum zu haben, voll mit den Schätzen der Pflanzenwelt. Als Dankeschön für das wertvolle Mitbringsel aus England, überreichte mir Jost eines seiner Schätze, die er von einem weiteren Pflanzenenthusiast bekommen hatte. Stecklinge eines Miniatur-Mammutbaumes, die ich als Bonsai wachsen lassen sollte. Ich war hin und weg und überglücklich, doch mit dem Zeitdruck im Nacken war es schließlich ein schnelles Verabschieden.

Ich habe mir fest vorgenommen, sobald ich wieder in Deutschland bin, möchte ich Josts Garten noch einmal besuchen. Dann besser vorbereitet (mit dem Wissen was mich erwartet), Notizbuch, Kamera und wesentlich mehr Zeit im Gepäck.
Vielen Dank für deine Gastfreundschaft Jost!

Josts Webseite über seinen Garten findest du hier: MagnoliaGarden.de

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