Donnerstag, 23. August 2012

Englische Nachbarn - Satire

Normalerweise bin ich keine Tratschkuh und versuche mich da sehr zurückzuhalten, bin recht tolerant; ganz nach dem Motto: leben und leben lassen, weil ich das von anderen Leuten für mich ja auch so erwarte. Dennoch möchte ich euch eine lustige Geschichte über meine "typisch-englische" Nachbarin erzählen, obgleich sie der deutschen Nachbarn in ihrem Verhalten so manches Mal sehr nahe kommt. Ich denke mal, egal welches Land, Nachbarn können überall gleich sein.

Nun besagte Person brachte mich zum Lachen, da sie dem typischen Vorurteil, welches wir über Engländer und ihrem feinen Rasen haben, völlig entspricht. Denn sie schneidet ihren Rasen auf Knien mit einer Schere. Als ich dies zum ersten Mal sah, glaubte ich noch an einen Witz, zumal die Dame reichlich gereiften Alters ist und sichtlich Probleme hat auf den Knien zu rutschen bzw. aufzustehen. Warum keinen Rasenmäher kaufen und sich die Rücken- und Knieschmerzen sparen?

Einige Wochen später dann erfuhr ich, dass sie durchaus einen Mäher hat. Jener Sorte, die eine Mähwalze besitzen und durch Muskelkraft den Rasen beim Schieben schneidet. Den benutzt sie sogar, aber das gute Ding stammt scheinbar aus der Vorkriegszeit, ist total rostig und stumpf und schneidet den Rasen offenbar gar nicht vernünftig. So muss sie also nach dem mühseligen Schieben und Quietschen noch die zerrupften Stängel mit der Schere nachschneiden.

So viel zum englischen Nachbarsverhalten. Danach zeigte sie, dass sie auch deutsch kann. Schon bald meckerte sie über den Zaun, ohne jemals "Guten Tag" zu sagen, dass mein Haselnussstrauch auf ihre Seite wächst. Und auch meine Sonnenblume doch viel zu frech über ihrer Garage wächst.
Sie: "Die reißt mir ja nicht meine Dachrinne ab?"
Ich: "Nein, Sonnenblumen sind keine Kletterpflanzen."
Sie: "Aber sie macht meine Dachrinne nicht kaputt?"
Ich, langsam genervt: "Nein, kann sie doch gar nicht."

Im Frühjahr noch war sie sichtlich erleichtert, als ich "das Biest von einem Strauch" radikal zurückgeschnitten hatte. Offenbar nicht ahnend, wie schön der Hasel danach wachsen würde. Ich meinerseits war froh, dass der Hasel endlich wieder zur vollen Größe gewachsen war, denn ich fühlte mich jede Sekunde im Garten von ihr eindringlich beobachtet, geschweige denn auf der Wiese sitzen oder grillen war kaum möglich ohne sich beobachtet zu fühlen.

Außerdem verstand ich den Streitpunkt überhaupt nicht. Pflanzen wachsen nun einmal, dass ist deren Natur. Sie als Gartenbesitzer müsste das wissen. Und wenn sie Pflanzen so sehr hasst, wieso hat sie einen Garten? Zumal da nur fünf Ästchen zaghaft über den Zaun lugten. Dagegen hatte ich davon abgesehen, mich wegen ihrer herüberwachsenden Pflanzen (Brombeeren, Efeu und Ackerwinde) aufzuregen, sondern hatte einfach stillschweigend alles auf meiner Seite entfernt. Vielleicht hätte ich statt dessen doch besser eine Szene daraus gemacht...ach nein, doch lieber nicht. Bin nicht so ein Typ Mensch.

Solange sie nicht daher kommt und eines Nachts unsere Sonnenblume absäbelt. Dann werde ich fuchsteufelswild! Aus die Maus!

Kommentare:

  1. Weia...da wuerde ich eigentlich: typisch Deutsch zu sagen :-(( (nicht verallgemeinert), aber wie oft hat man schon solche Personen vor dem Gericht gesehen bzw. einem Schiedsmann weil sie auf ihr Recht pochen wollen.

    Es kann auch ganz anders gehen....

    Hier darf wachsen, hier waechst und wenn etwas rueberwaechst und es stoert dann nimmt man halt selbst ne Schere und schnibbelt ein bisserl weg. Da regt sich niemand auf bzw. wird halt mal nachgefragt.

    Am Anfang meinte mein Nachbar immer die Palmwedeln aus seinem Garten absaebeln zu muessen weil sie mir in den Weg gewachsen sind. Hab ihm schnell klar gemacht dass ich stoerende Spitzen mal eben abkappen kann, und gut ist.

    Vielleicht haengt es mit dem Terassenbau zusammen, man kommt halt wirklich nicht ueberall dran oder wirklich es liegt an der Mentalitaet. Hier ist man gelassener, zumindest wenn man unter den Einheimischen lebt...denn von den "deutschen Siedlungen" hoert man genug negatives.


    Hoffe jedendalls deine Sonnenblume ueberlebt es und wird nicht ihrer Schere zum Opfer fallen!!

    Liebe Gruesse

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    1. Dazu habe ich neulich noch dies hier im Netz gefunden :O

      http://www.eltern-im-netz.net/artikel/so-werden-sie-unliebsame-nachbarn-richtig-los/#comments

      hoffe wirklich das ist Satire, weil ansonsten sehr, sehr gruselig! (Aber ich weiß dass es tatsächlich solche Menschen gibt, deswegen schüttelts mich beim Lesen...)

      Ich denke dort wo du bist, ist die Mentalität südlicher, sprich gelassener, wie du schon sagst. Wünschte wäre hier auch so, aber egal wo man hinkommt, man hört immer die gleichen Geschichten. Warum? ich verstehe diese Leute und deren Problem absolut nicht. Ist die Pflanue Symbol eines Eindringlings in die Privatsphäre? Als unerlaubtes Betreten des Grundstückes?

      Meine Freundin im Nachbardorf kann da noch ganz andere Geschichten von ihrer Nachbarin erzählen. Dagegen ist meine kleine Story hier Kinderkram....

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  2. Da kann man wirklich drüber lachen, könnte eine Filmszene sein. Hast nun eine Leserin mehr, würde mich über Gegenverfolgung freuen.

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