Freitag, 28. September 2012

Solent Bonsai Society - das September-Treffen

Heute waren nur etwa 15 Mitglieder zum monatlichen Society-Treffen erschienen. Selbst unser Vorsitzender Kenny war wegen Krankheit nicht anwesend. Deswegen auch relativ unorganisiert, Arthur versuchte zu vertreten. Eine kleine nette Truppe also.

Weil die ToM (Tree of the Month) Kategorie dieses mal Herbstfarbe und/oder Früchte war, dachte ich mir, wage ich eine Teilnahme am clubinternen Wettbewerb. Mein Acer griseum sieht momentan einfach wunderschön aus. Ich erwartete nicht wirklich neben den erfahrenen Vereinsmitgliedern etwas zu gewinnen, aber dabei sein ist alles und war ja nur "just for fun".

Acer griseum in beginnender Herbstfärbung
Eingeladen zum heutigen Abend war Collette Harrison, welche ich eine Woche zuvor das erste Mal bei ihr zu Hause besucht hatte. Sie sollte über Bonsai sprechen und die richtige Schalenwahl. Bloß die Bonsai hatte sie irgendwie vergessen, so dass sie statt dessen Unmengen Töpfe und Schalen mitbrachte und somit nur darüber sprach.

Dennoch interessant, weil ich schon immer wissen wollte, wo denn genau der Unterschied zwischen japanischen und chinesischen Schalen liegt. Kurz: es gibt keinen.
Collette klärte uns auf. Sie schien allerdings oftmals hauptsächlich zu mir zu sprechen, wo ich doch Neuzugang im Verein war und sie davon ausging, dass alle anderen sich eher langweilten.

So sprach sie über japanische Schalen (Tokoname Ware), koreanische Schalen (TongRae) und Plastikschalen. Mica gibt es nicht mehr sagt sie, wie auch die beiden Firmen Tokoname und TongRae, die beiden letzteren wurden von den Chinesen aufgekauft. Überhaupt erzählte sie viel von Firmenaufkäufen durch die Chinesen, sei es in Sachen Schalen oder auch Werkzeugen, und wie seither die Qualität den Bach herunter geht, wenn nicht sogar die aufgekauften Firmen selbst nach ein paar Jahren. Der starke Qualitätsverlust schreckt eben Kunden dauerhaft ab. Da ist ein über Generationen hart erarbeiteter Ruf in kürzester Zeit zerstört. Im Falle von Tokoname Ware währte die Tradition 2000 Jahre bis die Firmenänderungen durch die Chinesen kamen.


Sie erklärte und zeigte uns auch die verschiedenen Tonarten, woran man die Qualität und oft auch die Herkunft der Schale erkennen kann. Je dunkler und feiner der Ton, aus welcher die Schale hergestellt ist, desto höher die Qualität und ebenso desto höher der Preis normalerweise.

Natürlich konnten wir am Ende all diese Schalen anfassen, bewundern und vor allem kaufen, weswegen Collette wohl hauptsächlich gekommen war. Ich fand zwei schöne Schalen, deren Lackierung und Maserung mir gefiel. Eines muss man sagen: Collettes Preise sind wirklich vernünftig! 3,99 - 4,99 für eine kleine Schale, da habe ich in anderen Geschäften auch schon 12,99 für eine ähnliche Schale gesehen. Jetzt wo ich eine bessere Vorstellung von Qualität habe...

Ürbigens: mein kleiner Acer griseum hat am Ende doch tatsächlich den ersten Platz belegt - ABER auch nur weil sonst niemand am Wettbewerb teilgenommen hat.  Was solls, Platz 1 bleibt Platz 1 !


Donnerstag, 27. September 2012

Abbotsbury Subtropical Garden 2012

Gestern bin ich nach Abbotsbury zum subtropischen Garten gefahren, der zum Garten des Jahres 2012 gewählt wurde. “One of the finest Gardens I have ever visited” sagt Alan Titchmarsh. Der Garten hat übrigens auch einen eigenen Blog.


Abbotsbury liegt westlich von Bournmouth in der Nähe von Weymouth direkt an der Küste. Die Anreise war bequem im Reisebus, denn ich begleitete unsere freiwilligen Gartenhelfer aus dem Sir Harold Hillier Garten. Zunächst der Autobahn und den Hauptstraßen folgend, war der Weg einfach, bis wir in die Nähe von Weymouth kamen. Die Straßen wurden enger und es war ein ziemliches Zick-zack, so war ich froh nicht selber den Weg finden zu müssen. Der Reisebus hatte Schwierigkeiten um die Ecken zu fahren und musste manchmal anhalten, um Gegenverkehr passieren zu lassen. Abbotsbury selbst ist ein wunderschönes Dorf mit kleinen, traditionellen Sandsteinhäusern sehr atmosphärisch.

Als Hillier-Gruppe bekamen wir freien Eintritt (ansonsten £10,50 pro Erwachsene) und zum Empfang freien Tee und Kaffee. Danach begrüßte uns Stephen Griffith, Kurator des Gartens, herzlich, erzählte ein wenig über die Geschichte des Gartens und führte uns dann etwa eine Stunde herum.

im Viktorianischen Garten

Die frühe Geschichte des Abbotsbury Subtropical Gardens:
1765 etablierte sich der Garten als Küchengarten für die Gräfin Ilchester, die in der nahegelegenen Burg residierte. Damit feiert der Garten bald sein 250jähriges Jubiläum. Seither hat sich der Garten in eine 20acres (8ha) große subtropische Oase entwickelt, dessen exotische Pflanzen aus aller Welt stammen. Viele dieser Pflanzen wurden von den Nachkommen der Gräfin auf zahlreichen Expeditionen entdeckt und nach Großbritannien eingeführt.

Der Garten heute ist größtenteils restauriert, mit vielen neueingeführten Exoten, nachdem 1990 ein Sturm fürchterlichen Schaden anrichtete. Stephen nannte es eine "natürliche und notwendige Auslichtung". Seitdem ist der Garten wesentlicher heller und lichtdurchfluteter. Vor allem gibt es aber nun das ganze Jahr über Interessantes zu entdecken, wo zuvor wohl der Frühling die Hauptsaison gewesen war.




In der Tat ist der Garten eine reiche Oase. In einer kleinen Senke gelegen, befindet sich dort ein subtropisches Mikroklima, welches das Kultiveren der sonst frostempfindlichen Pflanzen ermöglicht. Die Winde wehen kühlere Temperaturen über die Senke hinweg und auch der Regen fällt meist erst weiter nordöstlich, so dass die Pflanzen viel von der Sonne profitieren. Dennoch ist die Luftfeuchtigkeit im Garten durch das Meer und die eingeschlossene Luft in der Senke recht hoch.

Klettert man die neu-gepflanzte Magnolien-Allee auf den Hügel hinauf, ist man fast am Meer und hat von dort eine fantastische Aussicht über die "Dinosaurier-Küste". Der Aufstieg lohnt sich also auf jeden Fall.


Viele der exotischen Pflanzen kannte ich, dadurch dass um Jermyns House herum so gut wie alle frostempfindlicheren Exoten bei uns gepflanzt sind. Obwohl bei uns meist nur ein kleines Exemplar gehütet wird, findet man in Abbotsbury einen dschungelartigen Wald, dicht beflanzt mit all diesen faszinierenden Raritäten, welche meist in Chile, Mexiko oder Neuseeland beheimatet sind. So gab es üppige Bananenstauden, Palmen überall (manche über 100 Jahre alt), Canna, Farne und Baumfarne, Begonien, Tetrapanax, Hedychium, Impatients, Woodwardia, Trochodendron und viele exotische Magnolien, Rhododendron und ca. 70 verschiedene Bambusarten.

Es gab allerdings ein oder zwei kurze Schauer während wir dort waren, was zu der tropischen Atmophäre beitrug. Nun tropfte es von den üppig grünen Blättern und die Luft war feucht. Ich fühlte mich wirklich wie im Regenwald.

Der Garten wird natürlich gehalten, ist dennoch sehr gepflegt. Nur zu Recht ist es der Garten des Jahres 2012. Ein Muss für jeden Gartenfreund !!




Montag, 24. September 2012

Recherche New Forest Plants

Zu meiner Idee eine Bonsai-Landschaft im Stil des New Forest zu gestalten, habe ich recherchiert, welche Pflanzen für eine authentische Gestaltung in Frage kämen. Diverse Webseiten, sei es Forestry Comission, New Forest National Park oder Universität Southampton Geodata ergaben folgende Informationen:

Geologisch gesehen befindet sich der New Forest auf Podsole. Demnach vorwiegend sandig, relativ nährstoffarm und sehr sauer. Im New Forest wird allerdings zwischen nasser und trockener Heide unterschieden.

Typische Heiden sind:
  • Calluna vulgaris (trocken)
  • Erice cinerea (trocken)
  • Erica tetralix (nass)
  • Erica ciliaris (nass)
Typische Gräser sind:
  • Molinia caerulea (dominant)
  • Muhlenbergia rigens
  • Agrostis curtisii
Begleitet werden diese von vielen Kräutern wie z.B. Potentilla erecta oder Illecebrum verticellatum. Hinzu kommen natürlich heimische Bäume wie Birke, Eiche, Kiefer und Stechpalmen, die den Wald bilden. Und Sträucher der Heidelandschaft wie Ulex europaeus. Farne runden das Bild ab. Dazu gehören Blechnum spicant, Pteridium aquilinum und Dryopteris filix-mas.

Seltenheiten findet man durchaus auch. Da wären allerlei Orchideen und die einzige britisch-heimische Gladiolus illyricus.

Somit habe ich auf der Arbeit im Sir Harold Hillier Arboretum and Gardens während der Mittagspause gesucht, ob ich nicht passende Pflanzen finden kann. Tatsächlich wurde ich fündig und habe nun meinen New Forest in 9cm Töpfe. Sobald es Frühling wird, kann ich die Pflanzen miteinander kombinieren. Bis dahin muss ich allerdings noch eine passende Schale finden. Ich denke da nach wie vor an eine beige-erdfarbene Schale, die allerdings keine symmetrische Form haben darf. Am besten wäre eine organische, gewellte Gestalt.

meine New Forest Pflanzensammlung: Erica cinerea, Calluna vulgaris, Potentilla erecta, Blechnum spicant, Muhlenbergia rigens, Molinia caerulea und Steine.


Sonntag, 23. September 2012

Neuer Header fertig

Das ist mein neuer Header. Hoffe es gefällt. Das Bild habe ich übrigens Juni 2009 im Longstock Watergarden, UK aufgenommen.


Außerdem habe ich die Schrift etwas vergrößert, was ja ein Punkt in eurem Feedback gewesen ist. Hoffe es ist nun alles besser lesbar.

Samstag, 22. September 2012

Neuer Header ??

Irgendwie bin ich mit meinem aktuellen Header nicht so 100%ig zufrieden. Ich überlege an etwas Neuem zu basteln. Morgen soll es den ganzen Tag regnen. Eine gute Gelegenheit?

Zunächst muss ich mir aber im Klaren sein, wie ich mir den neuen Header vorstelle. Was gefällt mir nicht an dem jetzigen? Was soll mein Header unbedingt haben?

...

Idealerweise soll der Header meinen Blog versinnbildlichen. So dass jeder sofort erkennt, worum es hier geht.

Vielleicht fällt mir ja etwas Gutes ein...

Donnerstag, 20. September 2012

Moose gesammelt und vermehrt

Vor ein paar Tagen habe ich bei mir auf der Arbeit Moose gesammelt. Vielerorts hier gilt Moos als Unkraut, vor allem wenn es in den Beeten den Boden vergrünt. Ich persönlich habe nichts gegen Moose, ganz im Gegenteil. (Wer mich kennt, weiß, dass ich meine Diplomarbeit über Moose geschrieben habe.) Aber im Garten gilt es als ungepflegt weitläufigen Moosbelag zu haben. An Baumrinde etc. ist das in Ordnung, aber eben nicht in den Beeten oder auf den Wegen. So habe ich modernes Recycling betrieben und die Moose in kleine Tütchen verpackt, damit sie feucht bleiben. Übrigens kleiner Tipp: Ferrero Rocher-Dosen eignen sich perfekt als Mini-Gewächshaus für Moose (für drinnen und draußen).

gesammelte Moose vom Sir Harold Hillier Arboretum and Gardens
Damit ich am Ende aber mehr von den schönen Moosen habe, sprich weiterverwendbar sind (z.B. für die Begrünung und Landschaftsgestaltung von Bonsai), habe ich die Moose vermehrt. Dazu habe ich flache Anzuchtschalen (mit Löcher im Boden) mit einer dünnen Schicht Substrat befüllt und dann die Moose mit einer Schere in kleine Stücke zerschnitten.
Bis auf regelmäßiges Befeuchten ist ansonsten nichts weiter zu tun. Selbst wenn das Moos austrocknen sollte, keine Panik. Es kann wieder befeuchtet werden und wächst dann weiter.

Diese Fähigkeit ist überlebenswichtig für Moos, da es im Sommer oft austrocknet. Theoretisch kann man Moose in trockenem Zustand über Jahre lagern und dann nach gründlicher Befeuchtung wieder zum Leben erwecken. Dies ist beispielsweise in Herbarien praktiziert.

Moosvermehrung
Jetzt kurz vor der feucht-kalten Jahreszeit ist das der beste Zeitpunkt, wenn man Moose vermehren möchte. Denn sie sind im Winter in der aktiven Wachstumsphase, während Moose im Sommer ruhen. Somit bildet bald jeder kleine Moosschnipsel eine neue kleine Moospflanze. Über die Wintermonate sollte sich dann ein Moosteppich gebildet haben, der für alles Mögliche verwendet werden kann. Sehr effektiv besonders, da man so nicht Material aus der Natur entnehmen braucht, und damit langfristig die Zerstörung von natürlichen Lebensräumen vermeidet.

Ich habe hier in jeder Schale eine andere Moosart. Die Moose sind ganz gewöhnlich, kommen in ganz Europa weiträumig vor und sind daher nichts besonderes. Darunter unter anderem Zypressenförmiges Schlafmoos Hypnum cupressiforme, Waldfrauenhaar Polytrichum formosum und Weißmoos Leucobryum glaucum; letzteres mein Lieblingsmoos.

Mit Lebermoosen könnte man genauso verfahren. Meistens wachsen diese jedoch ohnehin ungefragt in meinen Töpfen, so dass eher kein Bedarf besteht.

Dienstag, 18. September 2012

Besuch bei Collette - Bonsai Trees Southampton

Von Collette hatte ich das erste Mal auf der Salisbury Bonsai Show Anfang August gehört und dann auch ihren Stand, wenn auch nicht sie selber, dort besucht. Zuvor hatte ich eigentlich ihre Visitenkarte (Bonsai Trees Southampton) über viele Monate an meiner Pinnwand, war aber nie zu ihrer kleinen Bonsaibaumschule gefahren. Dann vor einigen Wochen hatte ich einen schüchternen Vorstoß unternommen, allerdings konnte ich in dem Wohngebiet nirgends etwas über Bonsai sehen. Schienen ganz normale Wohnhäuser zu sein und ich wollte niemanden belästigen.

Lange Rede kurzer Sinn: Heute endlich klingelte ich an ihrer Tür und Collette ließ mich in ihren "Garten", der wohl eher keiner war. Vielmehr etwa eine 40qm große Kiesfläche, war er vollgestopft mit zwei Gewächshäusern, zwei Koikarpfenteichen und vielen Holztischen, auf denen die Bonsai groß wie klein standen.

Collette selber ist äußerst gesprächig und erzählte mir zu jedem Bonsai eine kleine Geschichte, wo sie aufegzogen worden waren (Italien, Spanien, Japan) oder Pflegehinweise über diesen Baum oder jene Pflanze, während dessen ihre zwei großen, aber sehr freundlichen, Hunde neugierig um die Beine sprangen. Eine Atempause für etwaige Fragen zu finden, schien eine rechte Aufgabe zu werden.

Die Bonsai standen dort zahlreich (für den kleinen Platz) in den verschiedensten Arten. Sehr stolz ist sie über ihren herrlichen Acer buergerainum und ihre wunderschönen Azaleen, nachdem sie auch eine ihrer zwei Katzen benannt hat.

Durch ihre beständige Konversation und den rapiden Informationsaustausch war ich zugegebenermaßen etwas perplex. Überfordert könnte man es auch nennen. Jedenfalls vergaß ich viele meiner Fragen und vor allem Dinge nach denen ich Ausschau halten wollte. Wie z.B. Akzentpflanzen oder passende Schalen dazu, Akadama-Preise, Draht-Preise usw.
Ziemlich schnell waren 20 Minuten um und sie musste ihren Ehemann von der Arbeit abholen, schmiss mich somit höflich heraus.

Demnach steht ein weiterer Besuch an. Dann mit Notizbuch und Stift.

Donnerstag, 13. September 2012

Unser Vorgarten

Unser Vorgarten ist seit Jahren ungepflegt. Theoretisch soll sich die andere Partei im Haus darum kümmern, so wie wir ebenso ein extra Stück Gemeinschaftsgarten hinter dem Haus pflegen müssen. Der Hausbesitzer schickt zwar einmal im Jahr seinen "Gartenfreund" vorbei, der dann alle Sträucher runterschneidet, aber das findet zur falschen Zeit statt, plus reicht natürlich nicht als Gartenpflege aus.

So wuchern dort Brombeeren und Unkräuter wie wild. Von Garten kann man eigentlich nicht sprechen. Regelmäßig weht der Wind auch Müll von der Straße hinein. Die Mini-Rasenfläche in der Mitte wird nie geschnitten und zufällig verstreute Samen sprießen überall, sei es Walnüsse oder Nigella damascena. Natürlich schimpft die Nachbarin über die wuchernden Pflanzen, die über und unter dem Zaun in ihren Garten kriechen.

Soweit hat mich das Ganze im Grunde eigentlich gar nicht gestört. Was mich gestört hat, waren die mittlerweile großen Lebensbaum-Zypressen, die vor 20 Jahren als Sichtschutz gepflanzt wurden. Tatsächlich ein guter Sichtschutz vor dem Schlafzimmerfenster der anderen Partei im Hause, waren die Bäume aber über drei Meter hoch und ebenso breit gewachsen. Obwohl mit rundlichem Habitus, bildeten sie so eine dichte Hecke, die an der Seite halb auf die ohnehin schmale Einfahrt ragte und somit jeglisches Parken sogar mit einem kleinen Auto recht erschwerte.

Deshalb beschwerte ich mich beim Vermieter, ob dieser Baum nicht entfernt werden könnte, da Beschneiden hier nicht mehr ausreichen würde, um das Problem Parken zu lösen. Glücklicherweise haben wir einen Stein im Brett beim Vermieter, da wir den Garten hinter dem Haus so schön hergerichtet haben und überhaupt alles ordentlich pflegen. Andere Leute vor uns müssen da wohl, wie die gegenwärtige zweite Partei im Hause, sich um nichts gekümmert haben. Umso milder ist der Vermieter uns gegenüber gestimmt.

So recht überzeugen konnte ich ihn allerdings noch nicht. "Schneid doch einfach alles ab was dich stört." Das dumme bei Lebensbaum-Zypressen ist, dass sie von innen braun sind und auch nach einem Schnitt nicht grün werden. Folglich, einmal eine gewisse Größe erreicht, hilft da nur die Kettensäge leider. Daher machte ich ihm den Vorschlag alle Bäume für mich wegmachen zu lassen. Im Gegenzug würde ich den Vorgarten neu gestalten, bepflanzen und für den Zeitraum unseres Mietvertrages den Vorgarten pflegen.

Unser Vorgarten vor etwa drei Jahren, die runden Kugeln sind die Lebensbaum-Zypressen, die man sich noch etwas größer vorstellen muss
Nach zwei Tagen Bedenkzeit rief er mich an und willigte freudig ein. (Wäre ja auch dumm solch ein Angebot auszuschlagen - neuer schöner Garten für umsonst und ich habe mehr Platz zum Spielen.) Weitere zwei Tage später kam er mit seinem "Gärtnerfreund" vorbei und entfernte alle fünf Zypressen.

Ich spreche hier von "Gärtnerfreund", weil nachdem ich ihn nun persönlich kennen gelernt habe, vieles klar wird. Jeden Herbst schneidet er alles runter, egal welche Form oder welche Art von Pflanze, ob es richtig oder falsch ist. In der Tat ist er gut mit Maschinen ausgestattet und weiß sie auch sehr gut zu nutzen. Jedoch Pflanzenkenntnis besitzt er leider Null, weswegen er sich nicht wirklich Gärtner nennen dürfte. Und auch unser lieber Vermieter, sei er nun privat mit seinem Gärtner befreundet oder nicht, fällt leider auch darauf herein und glaubt ihm jedes "beratende" Wort.

Bei der Ausgrabearbeit der Zypressen wurde dann auch wie jedes Jahr alles andere radikal mit Kettensäge oder Heckenschere rund oder runtergeschnitten. Viele der Pflanzen sollten wenn überhaupt im Frühjahr geschnitten werden, wie z.B. Schmetterlingsstrauch oder Hartriegel. Zwischendurch fanden die beiden Wurzeln der Ackerwinde im Boden. Der "Gärtnerfreund" klärte mich freundlicherweise über Ackerwinde auf, ließ aber offen, ob diese Wurzel nicht vielleicht auch etwas anderes sein könnte. Damit ist dieser Mann bei mir leider (tief) durchgefallen.

Unser Vorgarten während der Grabeaktion

Wurzeln der Ackerwinde Convolvulus arvensis

Jedenfalls ist der Vorgarten nun sehr hell und frei. Plötzlich ist so viel Platz da. Herrlich nach Süden gerichtet zwar schön sonnig, aber damit auch sehr trocken. Tolle Pläne habe ich schon. Nun warte ich auf feuchteres Wetter und den Herbst, bis ich mit dem Umgraben und Kultivieren anfangen kann.

Dienstag, 11. September 2012

Demonstration mit Manuel und Italo - Felsenpflanzung

Programm des Abends war eine Demonstration von Manuel und Italo, die ich beide schon auf der Salisbury Bonsai Show Anfang August kennen gelernt hatte. Zusammen ein sehr witzreiches Paar, die offensichtlich schon Jahre befreundet sind und eng zusammen arbeiten.

Demonstrationsthema: "Felspflanzung für umsonst" Ganz nach diesem Motto, betonten Manuel und Italo immer wieder in ihrem südländischem Akzent: "This cost you NOTHNG!"

So kann eine Felsformation aussehen. Wie einfach es geht, zeigte Italo

Zunächst zeigten sie uns verschiedene Steine, welche für eine Felspflanzung genutzt werden können. Angefangen bei konventionellem "Fels" aus dem typischen Bonsaigeschäft für viel Geld, über zur billigeren Variante aus dem Aquariumladen zur absolut billigen Version á la Heimwerker mittels Gasbetonstein. In Deutschland vorwiegend weiß (kann eingefärbt werden), gibt es diesen hier in England in grau unter dem Namen "Celcon".

Der Gasbetonstein ist porös, somit fähig sich voll Wasser zu saugen und die Feuchtigkeit zu halten, vom Gewicht her sehr leicht durch die Lufteinschlüsse und als wichtigstes Merkmal sehr einfach zu bearbeiten. Mit nur 2,-€ pro Stück (£1,34) ein Schnäppchen, alles was man dann braucht, ist ein wenig Vorstellungsvermögen, Kreativität und Zeit. Mit Schraubenzieher, Bohrer oder Hammer und Meißel kann man sich relativ schnell und ohne großen Kraftaufwand seinen eigenen Felsen formieren. Anschließend im Garten sich selbst überlassen, siedeln sich die ersten Moose an. Man kann natürlich auch den Stein mit Joghurt bestreichen, um diesen Vorgang zu beschleunigen. Oder man verzichtet vollständig darauf, je nach Laune.

Manuel und Italo zeigen verschiedene Felsen und wie man ganz einfach und billig seine eigenen Felsen herstellen kann.

Italo schwört dabei auf P38, ein sandiger Kunstharzkleber, der ursprünglich zum Reparieren von Beulen am Auto gedacht ist. Während Manuel lieber durchsichtiges Silikon verwendet, klebt Italo Steine und Haltedrähte mit P38 zusammen. Hat er direkt auch demonstriert, wobei dann offenbart wurde, wie heftig der Kleber stinkt. Kunstharz eben.
Allesamt sehr spannende Tricks, die ich gerne unbedingt ausprobieren möchte.

Im Folgenden bepflanzte Italo drei kleine Felsformationen, parallel Manuel einen hohlen Eichenstamm aus dem Moor mit Wacholder bepflanzte.

"This cost me nothing!" sagt Manuel und hält den Eichenstamm hoch. Sehr lustig, hat der den Stamm doch von einem Freund geschenkt bekommen. Welcher Normalmensch findet mal eben solch einen Stamm? Und hat dann auch noch die Erlaubnis und die Möglichkeit den mit nach Hause zu nehmen? Denn soweit ich weiß ist jegliches Sammeln aus der Natur, erst recht in Mooren oder sonstigen Naturschutzgebieten strengstens verboten. Sonst wäre ja auch leider nicht mehr viel von der Natur übrig. An dieser Stelle also ein bisschen Utopie, während Manuel fleißig den Stamm mit Erde und Juniperus-Bonsai füllte.

Manuel prüft die Position des Wacholder

Hingegen war Italos Demonstration praktikabler, weil tatsächlich extrem kostengünstig. Zum Bepflanzen nutzte er junge Bonsai, die seiner Meinung nach nicht recht gelungen waren. "Schmeißt niemals eure Versuchskanninchen weg!" mahnte er. "Die kann man immer noch für alles Mögliche verwenden." Tatsächlich sahen seine Felsformationen am Ende fantastisch aus, wobei er pro Pflanzung nur etwa 20 Minuten benötigte.

Jeder Baum wurde in ein Loch oder Nische gepflanzt, welche zuerst mit einer besonderen Erdmischung ausgestopft wurde. Italo verwendete eine Torf- und Ton/Lehmmischung, weil diese die Feuchtigkeit gut hält und zudem schön klebrig ist, was das Arbeiten wesentlich einfacher macht. Andere Erden oder Substrate sind zu bröselig und würden entweder direkt wieder durch die Löcher verschwinden oder nach einiger Zeit auswaschen.

Jede Nische hatte ein Netz mit Draht und bildete damit eine Art Tasche, in welcher der Bonsai saß. Das Ganze mit Moos überdeckt, wird damit wiederum das Auswaschen der Erde vermindert und zudem die Feuchtigkeit besser gehalten. Das Moos selber steckte Italo mit kleinen Drahthaken fest, damit die Vögel es nicht picken können.

fertige Pflanzung Nr. 1, jedeNetztasche mit Erde ausgefüllt und Moos abgedeckt.
Die Bonsai bleiben ihr Leben lang in dieser Formation. Ein regelmäßiges Umtopfen ist mit periodischer Düngung nicht notwendig und zudem würde es die Bonsai zerstören, wachsen sie doch mit ihren Wurzeln in den Fels und dessen Löcher. Ohne sie brutal heraus zu reißen, kann man die Bonsai also nicht schadfrei vom Felsen lösen.

Italo mit seinen fertigen Produkten nach etwas mehr als einer Stune und viel Witzelei

Manuel präsentiert seine Wacholdergruppe auf dem Eichenstamm



Wessex Bonsai Society - das September-Treffen

Das September Bonsai-Treffen mit der Wessex Bonsai Society hat sehr viel Spaß gemacht. Obwohl mein erster Besuch in Bournmouth, war das Kinson Community Center einfach zu finden. Mit 45 Minuten Fahrzeit und etwa 31m (50km) allerdings nicht gerade ein günstiges Vergnügen.

Das Kinson Community Center erschien recht groß, mit vielen Räumlichkeiten und mehreren Veranstaltungen am Abend war es gut besucht.  Am Eingang musste uns jemand den Weg weisen. Der Bonsai Club traf sich in der Haupthalle. Dort waren schätzungsweise bis zu 50 Personen anwesend. Ich hielt nach bekannten Gesichtern Ausschau. Niemand aus Fareham schien zugegen zu sein, obwohl Keith und Paul kommen wollten. Oder ich verwechsele das nun mit einem Workshop.

Malcolm der Vorsitzende eröffnete das Treffen und gab direkt an Manuel und Italo weiter, die an diesem Abend eine Demonstration und Lehrstunde über Felsenpflanzungen hielten. Beide hatte ich schon auf der Salisbury Bonsai Show Anfang August kennengelernt.

Zwischendurch gab es eine 15minütige Tee- / Kaffeepause in der ich ein wenig mehr erkunden konnte. Es gab einen Tisch mit Magazinen und Büchern, die man bis zum nächsten Treffen in vier Wochen gegen eine kleine Gebühr (50p) ausleihen konnte. Interessantes gab es nichts, das meiste waren Anfängerbücher, die doch irgendwo alle gleich waren. Schade, hatte ich gehofft, etwas Spezielleres zu finden.

Dann gab es einen kleinen internen Vereins-Verkaufstisch mit Dingen, die Mitglieder nicht mehr wollten und man nun für eine Spende jeglicher Höhe mitnehmen konnte. Da gab es Bücher und Töpfe, Scheren, Vereinsanstecker und -aufkleber. Ich fand ein nettes Buch und eine Bonsaischale im Mauer-Look. Denke, werde meinen Bambus Fargesia murielae dort einpflanzen.



Daneben war Mo und verkaufte ihre handgefertigten Töpfe und Schalen. Mo hatte ich ebenfalls schon in Salisbury kennengelernt und wurde mir sehr von den Fareham-Leuten empfohlen, weil sie neben den Standardschalen, auch individuelle Anfertigungen macht und bei allem aber vernünftige (billige) Preise veranschlagt. Ich konnte natürlich nicht widerstehen und langte zu, denn die Preise waren wirklich günstig. Nun bin ich Besitzer von zwei MoPots und habe nur 15 Pfund bezahlt.


Auf der anderen Seite des Raumes gab es eine kleine Schaufläche mit drei Bonsai. Woher die kamen oder zu welchem Zwecke diese ausgestellt wurden, konnte ich nicht herausfinden. Aber gleich kamen Leute aus der Gruppe und wir hatten interessante Gespräche über billige Bonsaistände selbst gemacht. Es ist erstaunlich was man alles machen kann und wie einfach Dinge sein können, wenn man die Tricks kennt.


Die Tombola verlief etwas anders als gewohnt. Statt Preise bekam man die Gelegenheit aus einer Tasche einen Schlüssel zu nehmen. Passte der Schlüssel zur Schatztruhe, hätte man den Jackpot geknackt und alles würde von vorne beginnen. Angefangen wird mit sieben Schlüsseln. Zu diesem Zeitpunkt waren nur noch drei übrig. Trotzdem konnte die Truhe an dem Abend nicht geöffnet werden, so dass nächsten Monat nur noch zwei Schlüssel und damit eine 50:50 Chance besteht den Jackpot zu knacken. Ich war ein wenig enttäuscht. Ich persönlich hätte lieber Preise gewonnen, statt die Chance auf Geld. So gesehen gefällt mir die Tombola in Fareham besser, auch wenn die Preise da nicht so herausragend sind.

Nach der Pause ging es weiter in der Demonstration von Manuel und Italo. Danach hatte ich eine Chance mit beiden zu sprechen und mit Fragen zu überhäufen. Dabei hatte ich während der Demo schon viel gefragt. Aber dadurch dass beide gleichzeitig gearbeitet hatten, hatte ich manches verpasst bzw. durch ihren schweren Akzent manches auch nicht klar verstanden.

Zum Schluss erhaschte ich Manuel kurz vor dem rausgehen und fragte ihn um Rat für zwei meiner Bäume, die ich mitgebracht hatte. Er und Malcolm luden direkt mich als Gast zum nächsten Vereins-Lehrgang in zwei Wochen ein. Da freu ich mich schon drauf!

Ich denke, ich werde auch diesem Verein beitreten. Die Leute sind nett und haben sofort ihre Erfahrungen mit mir ausgetauscht und Tipps gegeben. Das Level ist hier höher als in Fareham und es gibt sogar etwas jüngere Mitglieder. Aber da beide Vereine, Fareham und Bournmouth, sowieso enge Freunde sind, kann ich das Beste von beiden mitnehmen.


Montag, 10. September 2012

Neue Kamera

Ich brauche dringend eine neue Kamera. Meine gute alte Minolta Dimage Z1 von den Anfängen der digitalen Fotografie macht zwar immer noch super Bilder, aber ist mittlerweile doch ein wenig veraltet. Dieselben technischen Eigenschaften bekommt man heutzutage in einem kleinen Kompatktgehäuse. So muss ich nicht immer die klobige Kamera um den Hals tragen, sondern könnte ebenso gut meine Kamera in der Tasche haben. Damals war die Dimage top-klasse, heute von der Technik überholt.

Was erwarte ich denn von der neuen Kamera?
Auf jeden Fall die gleichen technischen Merkmale wie die Dimage nur im Kompaktformat. Mehr optischen Zoom, besseren Makro, Panorama-Funktion.

Recherchieren ist angesagt, da ich nicht wirklich weiß, was momentan auf dem Markt angeboten wird. So setze ich mich also vor den Rechner und frage Google.

In der Qualitätsklasse meiner Ansprüche finde ich folgende Kameras:
Ich hatte es jetzt zwar nicht auf unbedingt marktführende Firmen abgesehen, aber in England gibt es leider keinen "Saturn" oder "Mediamarkt", wo ich Firmen wie Rollei finden, geschweige denn die Apparate ausprobieren könnte. So heißt es Unmengen Testberichte lesen und dann entscheiden.

Nun bin ich seit heute morgen fünf Uhr dabei und habe mich für erstere in der Liste oben entschieden. Die Kamera schien mir von allen am ehesten für mich geeignet und liegt auch in der preislichen Schmerzgrenze, die ich bereit bin auszugeben.

Ich mache mich auf nach Argos. Ist das spannend!

Sonntag, 9. September 2012

Neue Bonsai-Idee: New Forest

Heute bin ich den ganzen Tag bei herrlichstem Wetter durch den New Forest spaziert. Wenn man um die Geheimnisse weiß, ist der New Forest wunderschön und ganz und gar nicht touristisch wie viele die Erfahrung machen.


Mein Geheimtipp daher: Acres Down.

Abseits jeglichen Trubels kann man hier die wahre Pracht erkunden. Besonders jetzt im Spätsommer blühen die Heiden in Pink und Violett, mit dem Wald im Hintergrund und einem strahlend blauem Himmel wie heute sieht das dann so aus:

die Heidelandschaft im New Forest

Als Bonsaijäger findet man hier Traumexemplare. Allerdings ist jegliches Graben, Sammeln, Beschneiden etc. von lebendem wie auch totem Material aller Art strengstens verboten. Es gibt allerdings die Möglichkeit sich eine Genehmigung geben zu lassen.

So oder so ist es selbst ohne Graben und Sammeln eine tolle Inspiration. Denn viele Bäume sind vom ständigen Wind geformt, oder grasende Tiere haben die Triebe über Jahre getrimmt. Ein umgefallener Baum hat sich entschieden trotzdem weiterzuwachsen und bildet damit die natürliche Floßform. Selbst tote Bäume dienen als Studienobjekt.

eine abgestorbene Quercus robur, perfektes Studienobjekt


Und siehe da, mir kam da gleich eine Idee, die man sogar ganz einfach und legal verwirklichen kann. Den New Forest in klein. Alles was man braucht ist eine schmalwüchsige Birke Betula pendula, eine lila-blühende Heide (Calluna oder Erica) und ein paar kleine Gräser wie Festuca. Im Gartenzenter dürfte das einfach zu finden sein, wenn ich nicht sogar auf der Arbeit ein paar brauchbare Pflanzen dafür finden kann.

Das Ganze dann nett in eine passende Schale gepflanzt. Ich denke dabei an eine beigefarbene Schale, weil die Bodenoberfläche im New Forest mit Sand, Flint und Kalkstein übersät ist und demnach dieselbe Farbe hat. Frecherweise habe ich ein paar schöne Flintsteine mitgenommen, obwohl verboten. Die will ich in die Pflanzung legen, genauso wie man sie in der Natur finden würde. Kann es kaum erwarten loszulegen!

Samstag, 8. September 2012

Noch ein Versuch zu "Wie robust sind Bonsai"


Nachdem der erste Versuch bei den Buchen total daneben ging, versuche ich nun eine andere Methode. Zuvor hatte ich Buchen im verregnetem, kühlem Sommerwetter ausgegraben und wollte sehen inwieweit die Yamadori überleben würden. Unglücklicherweise änderte sich das Wetter unerwartet. Wo es Wochen geregnet hatte, war dann Sommersonne und Trockenheit dominierend. Im Schatten meiner Gartenhütte und trotz täglichen Gießens welkten die Blätter schnell und fielen ab. Dennoch besteht noch eine minimale Chance, dass die Buchen sich erholen. Somit warte ich bis zum Frühjahr.

Heute habe ich mir überlegt eine andere Herangehensweise anzuwenden. Dieses Mal habe ich eine Buche aus dem Wald ausgegraben und genau wie zuvor eingetopft. Als Änderung aber die meisten und größten Blätter abgezupft und dann mit einer Tüte überstülpt in den Schatten meiner Gartenhütte gestellt. Das Reduzieren der Blattmasse soll die Transpiration, also den Wasserverlust über die Blätter, mindern, während die Tüte selber eine hohe Luftfeuchtigkeit gewährleistet. Damit sollte das Austrocknen doch einigermaßen vermieden werden können.




Zumindest bin ich hoffnungsvoll. Mal sehen wie die Buche darauf reagiert.

Freitag, 7. September 2012

Samentütchen gefunden - Digitalis ciliata

Neulich in der Mittagspause bin ich zu meinen Auto und sah plötzlich ein kleines Tütchen auf dem Boden liegen.





Das Tütchen muss jemand aus der Tasche verloren haben. Die Beschriftung lässt auf einen professionellen Sammler schließen. Ich habe meine Kollegen gefragt, doch niemand wusste, wem dieses Tütchen gehören könnte.

Digitalis ciliata (beschrieben hier in Wikipedia) ist im Kaukasus heimisch und wächst dort auf Weiden, Wiesen, Waldrändern und in bergischen Regionen. In Europa und Nordamerika kultivieren wir D. ciliata als Zierpflanze. Wie alle Digitalis-Arten beinhaltet auch D. ciliata chemische Stoffe, die in der Medizin seit Jahrhundert bei Herzkrankheiten eingesetzt werden. Eine neuere Entdeckung vermutet, dass die chemischen Stoffe in den Blättern von D. ciliata auch Tumore bekämpfen könnten.

www.endemic-species-caucasus.info
So gesehen für mich ein feiner Fund. Ich habe das Tütchen vorerst in den Kühlschrank gelegt und werde es im Frühjahr aussäen. Wenn sich bis dahin keiner meldet oder mir zu Ohren kommt, dass diese Samen vermisst werden, wächst Digitalis ciliata ab nächstem Jahr in meinem Garten.

Mittwoch, 5. September 2012

Spätsommer Stecklinge

Nach der Blüte von sommerblühenden Stauden oder Sträuchern können Stecklinge genommen werden. Denn nachdem die Blüten welken, schießen die Triebe vor dem Herbst noch einmal kräftig, welche dann perfektes Vermehrungsmaterial sind.

Ich hatte so Einiges auf meiner Wunschliste. Leider blieb mir am Ende nicht ausreichend Zeit alle meine Pflanzen von der Wunschliste zu vermehren. Und wegen des warmem Wetters konnte ich außerdem nicht stundenlang auf Stecklingsjagd gehen, denn ich wollte das Material so schnell wie möglich versorgen. Meine Stecklinge bekomme ich vom Sir Harold Hillier Garten, woher ich eine Vermehrungslizenz bekommen habe.

Als Substrat habe ich Komposterde mit Cornish Grit gemischt. Cornish Grit verbessert die Wasserdurchlässigkeit und Belüftung, fördert gleichzeitig dadurch das Wurzelwachstum, weil die Pflanze nach Wasser und Nährstoffe "suchen" muss. Die Komposterde sichert hingegen eine gewisse Wasserhaltefähigkeit und ein paar Nährstoffe, damit man zum Einen nicht jede Stunde befeuchten muss und zugleich die ersten feinen Haarwurzeln "Futter" finden.

Cornish Grit und Komposterde - Mix etwa 1:1


Vermehrt habe ich schließlich:
  • Callistemon subulatus
  • Ceanothus 'Dark Star'
  • Grevilllea alpina 'Olympic Flame'
und Loropetalum chinense 'Zhuzhou Fuchsia', wobei dies ein Versuch ist. Ich weiß nicht wirklich wie man Loropetalum vermehrt, bin aber von der Pflanze sehr fasziniert und habe auch schon wunderschöne Bonsai gesehen. Meine Vermehrungsbibel gibt mir dazu leider keinen Rat. Somit versuche ich es nun mit Stecklingen. Wenn das nicht klappt bleibt mir noch das Veredeln, allerdings wär ich dann hinsichtlich der Unterlage ratlos. Müsste zu dem Thema mehr recherchieren. Aus Samen ziehen wird schwierig, weil die Mutterpflanze bisher noch nie geblüht / gefruchtet hat. Abmoosen könnte auch schwierig werden, weil das Exemplar einfach zu klein und jung ist.

im Uhrzeigersinn: Loropetalum chinense 'Zhuzhou Fuchsia', Ceanothus 'Dark Star', Callistemon subu, Grevillea alpina 'Olympic Flame'

Das Ganze wurde dann angegossen und in Tüten verpackt, um eine hohe Luftfeuchte zu gewährleisten. Dies ist notwendig, weil die kleinen Stecklinge ohne Wurzeln sich noch nicht selbst mit Wasser aus dem Substrat versorgen können. Daher muss der Wasserverlust durch Transpiration der Blätter auf ein Minimum verringert werden. Erreicht wird dies auch durch das Reduzieren der Blattmasse, weswegen ich die Loropetalum-Blätter geschnitten habe.

Mein Problem in der Vergangenheit war Pilzbefall durch Fäulepilze. In den örtlichen Gartenzentren konnte ich bisher keine Fungizide gegen Stängelfäule oder Botrytis finden. Dort gibt es nur die üblichen Rost-Fungizide gegen Rosenrost etc. welches mir hier nicht hilft.

Ich hoffe durch einen Standortwechsel wachsen die Stecklinge dieses Mal besser. Zuvor hatte ich meine Stecklinge alle zusammen in einem beheizten Mini-Gewächshaus, wodurch sich viele gegenseitig angesteckt hatten. Nun versuche ich es draußen in einem unbeheizten Gewächshaus, jeden Topf einzeln in einer Tüte verpackt. Auch nutze ich nun Wurzelpuder, in der Hoffnung dass die Stecklinge damit schneller als sonst bewurzeln und damit schneller gegen Pilzeinfektionen resistent werden.

Somit bin ich gespannt ob sich dieses Mal eine Verbesserung hinsichtlich der Anwachsrate zeigt. Ich halte euch auf dem Laufenden.

Dienstag, 4. September 2012

Feedback bitte

Da mein Blog so langsam wächst und sich entwickelt, wüsste ich gerne von euch als Leser, ob ich meine Sache gut oder schlecht mache. Obwohl noch einige, meiner Meinung nach wichtige Dinge aus der Vergangenheit nachgetragen werden müssen...aber vielleicht ist ja das genau etwas was ihr an meinem Blog nicht so toll findet - Beiträge geschrieben im Hier und Heute, aber gepostet in der Vergangenheit.

Somit ein Aufruf zu ehrlicher Kritik und konstruktiven Verbesserungsvorschlägen. Selbst wenn ihr total negativ seid, möchte ich es erfahren und wissen wie eure Meinung ist. Also bitte keine Scheu. Wie gesagt solange alles konstruktiv bleibt.

Seht ihr Mängel in den Beiträgen? Langweilig zu lesen? Zu wenig Info? Zu unpersönlich? Oder von allem das Gegenteil: zu viel Info, zu persönlich?
Wie findet ihr die Gestaltung meines Blogs? Fehlt euch da irgendwie was? Oder ist zu viel?

Bitte lasst mich wissen, wie ich meinen Blog verbessern kann.
Vielen Dank, eure Janine

Montag, 3. September 2012

Bewertung Engelbert-Strauss Arbeitshose

(siehe vorangegangener Artikel "Engelbert-Strauss Arbeitshose gekauft")

Marke: Engelbert Strauss
Model: Motion
Farbe: grün



Jetzt habe ich meine neue Engelbert-Strauss Arbeitshose etwas über eine Woche auf der Arbeit getragen. Beim ersten Anziehen sehr bequem und direkt wohl gefühlt. Von der Größe her passt sie optimal, wie für mich gemacht, obwohl ein Männerschnitt. Je nach physischer Aktivität auf der Arbeit ist die Hose bloß bei mehr als 15°C  zu warm und unangenehm schwitzig zu tragen. Das Material klebt zwar nicht an der Haut, aber dennoch ist die Reibung Material an Haut hoch. Die Hose ist meines Gefühls nach nicht atmungsaktiv, was es sehr unangenehm bei warmem Wetter macht.

Viele Taschen an der linken Seite sind in Lagen übereinander geschichtet und versprechen reichlich Stauraum für diverse Utensilien wie Handy, Taschentücher, Schlüssel, Papier, Schnüre, Klammern; was auch immer gerade auf der Arbeit gebraucht wird, findet Platz. Diese sind zum Teil mit Reisverschluss, Klette oder Druckknopf verschließbar. Die Taschen allerdings sind relativ eng geschneidert, so dass bei verstauten Sachen sie die darunter / darüber liegenden Taschen und auch die Hosenbeinweite beeinträchtigen und damit den Gehkomfort. Außerdem wird der Zugang an sich zu den Taschen schwieriger je mehr Dinge sich darin befinden.

Rechts befinden sich zwei großzügige Taschen für Rosenschere, Handsäge oder Zollstock, wobei das Werkzeug selbst in der Kniebeuge nicht das Bein behindert. Allerdings sind die Taschen aus diesem Grund so weit geschneidert, dass eine Rosenschere schnell herausfallen könnte und wenn im Holster nur mit Gefummel herausgenommen werden kann.

Die eigentlichen Hosentaschen sind auch hier großzügig im Platz, jedoch mit engem Eingang. Jemand mit groberen Händen mag Schwierigkeiten haben die Taschen bequem zu nutzen. Dafür aber sicher im Sinne, dass z.B. Schlüssel oder Labello nicht herausfallen.

Die beiden Taschen hinten sind eine gute Ergänzung. Zum einen die typische Tasche mit Druckknopfverschluss für das Portemonnaie, diese allerdings zu klein, um dort eine Rosenschere zu tragen. Die andere Tasche weit offen für lose Dinge wie Klammern oder Nägel bzw. sammelt sich dort diverses Schnittgut von Hecke oder Baum.

Am Gürtelbund sind die Schlaufen sehr robust mit extra starken Klettverschlussschlaufen für eine mögliche Anbringung von Dachdeckertaschen oder ähnlichem. Der Bund selber hat an den Seiten Gummizug, der sich dem Bauchumfang flexibel anpasst. Damit ist auch bequemes Bücken nach der Mittagspause gewährleistet.

An den Knien sind Taschen mit starkem Klettverschluss, um mögliche Polster zu integrieren. Daher ist die Knieregion mit robusterem Material versehen. Da ich keine Polster besitze / nutze, kann ich dazu wenig sagen.


Im Großen und Ganzen dennoch eine sehr gute Arbeitshose. Das verwendete Material macht einen sehr guten und robusten Eindruck, wie auch die Nähte. Mir gefallen die vielen Taschen, allerdings ist der Schnitt in der Hüftregion relativ eng, so dass die schlaue Taschenanordnung dadurch ihr Potential ein wenig verliert. Ein Minuspunkt für mich als Gärtner auch, dass ich meine Rosenschere nicht sicher unterbringen kann. Lose in der Tasche muss ich um den Verlust der Schere fürchten, im Holster findet sich kein anderer Platz als sie angeklemmt am Gürtelbund zu tragen. Dort ist die Schere allerdings zu hoch positioniert, was das schnelle Greifen behindert und somit eher ein Kompromiss darstellt. Dennoch bin ich bisher sehr zufrieden. Das Preis / Leistungsverhältnis wird sich erst nach einer längeren Tragedauer genauer zeigen, sprich wie langlebig die Hose ist. Nach bisherigem Wissensstand (laut Erfahrungen meiner Bekannten, welche diese Hose seit Jahren tragen) würde ich sehr gut sagen.

Ergebnis: 5 Sterne !!


Sonntag, 2. September 2012

Niederschlag August 2012

Ort: Romsey, Hampshire, UK

Messungszeitpunkt: täglich um 8.00 Uhr morgens

Gesamtniederschlagsmenge im August: 50,8mm

Samstag, 1. September 2012

September: Wichtige Gartenarbeiten

Generelle Gartenarbeiten:
  • weiterhin wässern und verblühte Blüten schneiden
  • Unkraut ziehen
  • Komposter organisieren für die anfallenden Herbstabfälle

Rasen:
  • sobald das trockene Sommerwetter vorbei ist, kann der Rasen belüftet und mit Herbstdünger gedüngt werden
  • Reparaturarbeiten durchführen wie z.B. nachsäen etc.
  • großflächige Neusaaten Ende September durchführen
  • Rollrasen erst ab Oktober legen

Bäume, Sträucher und Kletterpflanzen:
  • immergrüne und Koniferen können jetzt gepflanzt oder umgepflanzt werden
  • weiterhin verblühte Rosen schneiden
  • Hecken schneiden (Buche, Hainbuche, Zypressen)
  • Buxus und Taxus-hecken jetzt schneiden, falls nur ein Schnitt pro Jahr
  • schnellwachsende Liguster und Lonicera zum letzten Mal in diesem Jahr schneiden

Blütenstauden:
  • frühjahrsblühende Zwiebeln (Tulpen, Osterglocken) ab Ende September bis November pflanzen
  • sommerblühende pflanzen durch winterblühende ersetzen, falls gewünscht
  • Dahlien schneiden
  • weiterhin Samen sammeln
  • lange, schwere Blütentriebe stützen

Balkon:
  • winterblühende und Zwiebelpflanzen pflanzen
  • Topfpflanzen nicht mehr düngen
  • frostempfindliche Pflanzen ins Gewächshaus tun

Gemüse und Kräuter:
  • späte Ernten von Salat, Zucchini und Karotten durch abdecken mit Vlies schützen
  • Kohlpflanzen mit Netzen schützen
  • Frühjahrskohlarten jetzt aussäen
  • weiterhin ernten: Zucchini, Mais, Bohnen, Salat, Lauchzwiebeln, Blumenkohl, Kartoffeln, Zwiebeln, Knoblauch, Artischoken und andere Kohlarten
  • unreife Tomaten an den Pflanzen lassen und sobald es kühler wird auf der Fensterbank reifen lassen
  • Spargellaub runterschneiden, nachdem es gelb und braun geworden ist
  • Kräuter wie Petersilie, Basilikum etc. topfen

Früchte:
  • Brombeeren ernten, sowie die ersten herbstfruchtenden Himbeeren, frühe Apfelsorten und die ersten Conference-Birnen
  • Stockobst wie z.B. Himbeeren schneiden

Unter Glas:
  • wässern und düngen reduzieren
  • frostempfindliche Pflanzen ins Gewächshaus bringen
  • frühjahrsblühende Zwiebeln topfen
  • einjährige für die Frühjahrsblüte aussäen
  • Tomaten, Zucchini, Auberginen etc. nicht mehr düngen und das wässern reduzieren, sobald die letzten Früchte geerntet sind, Pflanzen entfernen (gibt Platz zum überwintern frostempfindlichen Pflanzen)

Wasser:
  • bis zu den kalten Temperaturen weiterhin Fische füttern
  • das letzte Mal in diesem Jahr Algen entfernen, nur wenn notwendig



Gastsprecher Chris Thomas - Heimische Laubgehölze (Solent Bonsai Society)

Chris Thomas war für das Wochenende aus Wales nach Südengland gekommen, um mehrere Seminare und Lehrgänge in der Region zu halten. Als Gastsprecher und Freund der Solent Bonsai Society eingeladen, redete er über zwei Stunden über heimische Laubgehölze. Eine sehr interessante Lektion, selbst für mich als professioneller Gärtner. Dank meiner Ausbildung war es zwar leicht seinen Schilderungen zu folgen und die Hintergründe zu verstehen, wo andere womöglich mangels Wissen Schwierigkeiten hatten. Nichtsdestrotrotz teilte Chris seine Erfahrungen und gab sein wertvolles Wissen an uns weiter. Hier ein sehr kurzer Umriss der Lehrstunde:

Der Tenor des Abends war immer wieder: Du musst deinen Baum verstehen! Beobachte jeden Tag und verstehe Konsequenzen des Schneidens oder Nicht-Schneidens. Experimentiere, lerne mit dem Baum und entwickle dich mit ihm. Ja, Bücher geben Ratschläge und sagen dir was du tun sollst, aber das macht noch keinen Bonsai, geschweige denn einen erfolgreichen Bonsaigärtner. Neugier und Wissensdurst leiten dich über Jahre zum Verständnis über das Wuchsverhalten.

Ein anderer wichtiger Grundaspekt: Die Bonsaikunst dreht sich nicht um den fertigen Baum, sondern um den Weg der Entwicklung des Baumes, aber auch vor allem um deine eigene Entwicklung. Momentan scheint es einen Trend zu geben, wo in den Demonstrationen der Sofort-Bonsai präsentiert wird. Bonsai in wenigen Schritten und fertig. Falsch! Ein echter Bonsai braucht Zeit, Jahre sich zu entwickeln. Ja, man kann trödeln und die Zeit vertun und ja, es gibt Abkürzungen. Aber diese funktionieren nur mit dem richtigen Fachwissen und dem Verständnis des Baumes, womit wir zurück zum ersten Punkt kommen.

Ich selber habe ohnehin nie Menschen verstanden, die Unmengen Geld ausgeben, damit sie am Ende einen tollen Bonsai im Garten haben, aber nicht im Geringsten wissen wie man einen Bonsai erarbeitet, geschweige denn pflegt. Somit ist der teure Bonsai zur Verwahrlosigkeit verdammt. Bonsai als Statussymbol ist die völlig falsche Einstellung. Aber leider dominant und schlimmer noch der Grund für all die Diebstähle.

Nun zum Verständnis des Baumes: Zunächst muss ein wichtiger Unterschied zwischen Laub- und Nadelgehölzen verstanden werden. Chris malte dazu wundervolle Kritzelbilder, die aber durchaus deutlich waren. Ich zeige euch zum besseren Verständnis meine Kritzelbilder.


Der Unterschied zwischen Laub- und Nadelgehölzen ist also der Astaufbau. Während Nadelhölzer, hauptsächlich in kälteren Regionen beheimatet, ihre Äste nach unten stellen, um die Schneelast zu verringern wachsen die Äste von Laubbäumen nach oben, dem Licht entgegen. Dies ist ein wichtiger Aspekt, den man bei der Bonsaigestaltung unbedingt beachten muss.

Ist dies verstanden kann man sich um die Aststruktur kümmern. Eine natürliche Aststruktur ist wichtig, um einen harmonisch aussehenden und gesunden Bonsai zu entwickeln.
Wie sieht die natürliche Aststruktur überhaupt aus? Vom Stamm ausgehend wachsen die ersten Seitenäste, die mit der Zeit dicker und länger werden. Bald bilden sich daran Seitenäste 2. Generation, die sich weiterhin verästeln und damit das Astwerk verfeinern. Als Bonsaigärtner kann man diesen Vorgang ganz genau kontrollieren und beeinflussen. Man sollte allerdings nie mehr als drei Generationen zulassen, weil das Astwerk ansonsten zu unübersichtlich wird. Er nannte es: "a horticultural exercise".

Dazu muss man sich die Seiten- und Terminalknospen angucken. Chris erklärte zwei verschiedene Knospenarten am Ahorn- und Buchenbeispiel.
Ahörner haben gegenseitige Knospen und haben an der Triebspitze drei Knospen. Zwei Seitenknospen und eine Knospe in der Mitte. Lässt man den Ast wachsen, treibt die Mittelknospe aus und verlängert den Ast, während all die Energie dorthin transportiert wird. Als Knosequenz bilden sich vorerst noch keine Seitenäste, weil die Seitenknospen nur Blätter produzieren. Entfernt man vor dem Austrieb nun die Mittelknospe, geht der Pflanzensaft in die Seitenknospen (statt in die Triebverlängerung) und als Konsequenz verzeigt sich der Ast.
Ziel ist es aber auch eine schöne Stamm- und Astverjüngung zu bekommen, welche essentiell für ein harmonisches Aussehen ist.

Das Beispiel Buche funktioniert etwas anders, da die Knospen hier wechselständig angeordnet sind. Um eine frühzeitige Verzweigung zu erzwingen muss man den frischen Trieb entweder einkürzen oder aber alle frischen Blätter bis auf das an der Triebspitze entfernen. Dadurch induziert man Wuchs in den schlafenden Knospen in den Achseln, welche immer und zahlreich vorhanden sind. Schlafende Augen bedeutet, in jeder Blattachsel sitzen Anlagen für potentiell weitere Blätter und Seitentriebe, die aber nicht austreiben, da ja schon ein Blatt oder Seitentrieb vorhanden ist. Bei Entfernung dessen aber werden sie veranlasst auszutreiben, weil es des Baumes Bestreben ist den Verlust zu kompensieren.

All diese Methoden funktionieren nur bei einem absolut starken und gesundem Baum. Ansonsten muss mit Misserfolg oder gar Verlust gerechnet werden!

Chris ging anschließend noch auf viele Fragen aus dem Publikum ein. Fragen über Düngung, Wundbehandlung, Drahten etc. Zum Schluss erklärte er an einer seiner mitgebrachten Buchen Gestaltungsmöglichkeiten und seine Entscheidung wie der Baum sich entwickeln sollte. Jeder konnte mitdiskutieren und zur offenen Runde beitragen.

Eine letzte Lektion: Es gibt niemals ein fertiges Rezept für einen Bonsai. Es gibt immer viele Möglichkeiten einen Baum zu gestalten. Es gibt kein Falsch oder Richtig. Man muss seinen eigenen Stil finden, denn jeder hat seinen eigenen Geschmack und Vorstellung von Schönheit und Harmonie. Seinen Baum einem Bonsaimeister zu geben, um ihn "professionell" gestalten zu lassen, sollte nicht zur Dauerpraxis werden, sondern lediglich zum Lernen genutzt werden. Ansonsten entwickelt man sich nicht. Man könnte genauso gut einen fertigen Baum kaufen und den sich in den Garten stellen, womit wir zurück am Anfang wären.

Der Abend war absolut wichtig für mich, erleuchtete es meinen Horizont ungemein und zeigte mir viele Unterschiede im sonst so geregeltem Gartenbau. Obwohl es um die Anzucht von Bäumen geht, sind viele Dinge doch ganz anders. Gespickt voller neuer Ideen, Ratschlägen und Weisheiten, fuhr ich bereichert und inspiriert nach Hause.


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