Dienstag, 11. September 2012

Demonstration mit Manuel und Italo - Felsenpflanzung

Programm des Abends war eine Demonstration von Manuel und Italo, die ich beide schon auf der Salisbury Bonsai Show Anfang August kennen gelernt hatte. Zusammen ein sehr witzreiches Paar, die offensichtlich schon Jahre befreundet sind und eng zusammen arbeiten.

Demonstrationsthema: "Felspflanzung für umsonst" Ganz nach diesem Motto, betonten Manuel und Italo immer wieder in ihrem südländischem Akzent: "This cost you NOTHNG!"

So kann eine Felsformation aussehen. Wie einfach es geht, zeigte Italo

Zunächst zeigten sie uns verschiedene Steine, welche für eine Felspflanzung genutzt werden können. Angefangen bei konventionellem "Fels" aus dem typischen Bonsaigeschäft für viel Geld, über zur billigeren Variante aus dem Aquariumladen zur absolut billigen Version á la Heimwerker mittels Gasbetonstein. In Deutschland vorwiegend weiß (kann eingefärbt werden), gibt es diesen hier in England in grau unter dem Namen "Celcon".

Der Gasbetonstein ist porös, somit fähig sich voll Wasser zu saugen und die Feuchtigkeit zu halten, vom Gewicht her sehr leicht durch die Lufteinschlüsse und als wichtigstes Merkmal sehr einfach zu bearbeiten. Mit nur 2,-€ pro Stück (£1,34) ein Schnäppchen, alles was man dann braucht, ist ein wenig Vorstellungsvermögen, Kreativität und Zeit. Mit Schraubenzieher, Bohrer oder Hammer und Meißel kann man sich relativ schnell und ohne großen Kraftaufwand seinen eigenen Felsen formieren. Anschließend im Garten sich selbst überlassen, siedeln sich die ersten Moose an. Man kann natürlich auch den Stein mit Joghurt bestreichen, um diesen Vorgang zu beschleunigen. Oder man verzichtet vollständig darauf, je nach Laune.

Manuel und Italo zeigen verschiedene Felsen und wie man ganz einfach und billig seine eigenen Felsen herstellen kann.

Italo schwört dabei auf P38, ein sandiger Kunstharzkleber, der ursprünglich zum Reparieren von Beulen am Auto gedacht ist. Während Manuel lieber durchsichtiges Silikon verwendet, klebt Italo Steine und Haltedrähte mit P38 zusammen. Hat er direkt auch demonstriert, wobei dann offenbart wurde, wie heftig der Kleber stinkt. Kunstharz eben.
Allesamt sehr spannende Tricks, die ich gerne unbedingt ausprobieren möchte.

Im Folgenden bepflanzte Italo drei kleine Felsformationen, parallel Manuel einen hohlen Eichenstamm aus dem Moor mit Wacholder bepflanzte.

"This cost me nothing!" sagt Manuel und hält den Eichenstamm hoch. Sehr lustig, hat der den Stamm doch von einem Freund geschenkt bekommen. Welcher Normalmensch findet mal eben solch einen Stamm? Und hat dann auch noch die Erlaubnis und die Möglichkeit den mit nach Hause zu nehmen? Denn soweit ich weiß ist jegliches Sammeln aus der Natur, erst recht in Mooren oder sonstigen Naturschutzgebieten strengstens verboten. Sonst wäre ja auch leider nicht mehr viel von der Natur übrig. An dieser Stelle also ein bisschen Utopie, während Manuel fleißig den Stamm mit Erde und Juniperus-Bonsai füllte.

Manuel prüft die Position des Wacholder

Hingegen war Italos Demonstration praktikabler, weil tatsächlich extrem kostengünstig. Zum Bepflanzen nutzte er junge Bonsai, die seiner Meinung nach nicht recht gelungen waren. "Schmeißt niemals eure Versuchskanninchen weg!" mahnte er. "Die kann man immer noch für alles Mögliche verwenden." Tatsächlich sahen seine Felsformationen am Ende fantastisch aus, wobei er pro Pflanzung nur etwa 20 Minuten benötigte.

Jeder Baum wurde in ein Loch oder Nische gepflanzt, welche zuerst mit einer besonderen Erdmischung ausgestopft wurde. Italo verwendete eine Torf- und Ton/Lehmmischung, weil diese die Feuchtigkeit gut hält und zudem schön klebrig ist, was das Arbeiten wesentlich einfacher macht. Andere Erden oder Substrate sind zu bröselig und würden entweder direkt wieder durch die Löcher verschwinden oder nach einiger Zeit auswaschen.

Jede Nische hatte ein Netz mit Draht und bildete damit eine Art Tasche, in welcher der Bonsai saß. Das Ganze mit Moos überdeckt, wird damit wiederum das Auswaschen der Erde vermindert und zudem die Feuchtigkeit besser gehalten. Das Moos selber steckte Italo mit kleinen Drahthaken fest, damit die Vögel es nicht picken können.

fertige Pflanzung Nr. 1, jedeNetztasche mit Erde ausgefüllt und Moos abgedeckt.
Die Bonsai bleiben ihr Leben lang in dieser Formation. Ein regelmäßiges Umtopfen ist mit periodischer Düngung nicht notwendig und zudem würde es die Bonsai zerstören, wachsen sie doch mit ihren Wurzeln in den Fels und dessen Löcher. Ohne sie brutal heraus zu reißen, kann man die Bonsai also nicht schadfrei vom Felsen lösen.

Italo mit seinen fertigen Produkten nach etwas mehr als einer Stune und viel Witzelei

Manuel präsentiert seine Wacholdergruppe auf dem Eichenstamm



1 Kommentar:

  1. Wow das sieht ja sehr schön aus! :) So was würd ich auch gerne mal machen! Cool! <3

    LG

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