Mittwoch, 14. November 2012

Eine Amazon-Erfahrung

Neulich sah ich bei einer Freundin ein interessantes Buch mit dem Titel "Plant Solutions". Hier stellt Nigel Colborn Pflanzen zusammen, die an diesem oder jenem Standort ideal wachsen. So gibt er unter anderem Bespiele welche Stauden an schattig-trockenen Plätzen gedeihen. Oder welche Bäume an Küsten gut wachsen.
Ich habe ein ähnliches Buch von Roy Lancaster "What Plant Where", wo auch hier nach Standort sortiert Pflanzenbeispiele gegeben werden. Oder welche Pflanzen haben ganzjährig rotes Laub. In beiden Büchern gibt es nicht einfach nur eine stumpfe Liste, sondern eine kurze Beschreibung und ein Bild zur Pflanze. Roys Buch allerdings ist recht kurz gehalten, wo Nigel ein klein wenig mehr schreibt, vor allem auch Ideen gibt in welcher Kombination diese oder jene Pflanze gut aussehen würde. Damit optimal um einen Garten zu gestalten und Ideen zu bekommen.

Nun gefiel mir das Buch so sehr, dass ich beschloss es zu kaufen. Amazon bietet da eine praktische Lösung, vor allem da Buchläden in England dünner gesät sind als in Deutschland. Amazon hatte das Buch im Angebot, neu für £19,99 statt ursprünglichen £25. Aber ich brauchte kein brandneues Buch (obwohl ich den Duft neuer Bücherseiten liebe !!). Gerne nehme ich auch ein Gebrauchtes. In der Gebrauchtwarenabteilung gab es mehrere Angebote. Mehrere Verkäufer boten das Buch für nur £0,01 in sehr gutem Zustand an, £2,80 für den Versand. Da das Buch mit seinen nahezu 450 Seiten gute zwei Kilo wiegt, machte mich das stutzig. Dennoch prüfte ich die Anbieter, alle mit sehr gutem Feedback und Bewertung in den letzten Monaten. Also kaufte ich das Buch bei World of Books und dachte, wenn das stimmt habe ich ein Schnäppchen gemacht.

Nur zwei Tage später bekam ich Post. Und hier beginnt die eigentliche Geschichte:
Ich bekam einen A4 Umschlag. Als 450 Seiten starkes gebundenes Buch hatte ich mehr erwartet. In dem Umschlag dann dies:

Statt eines gebundenen Buches bekam ich ein HD Nachdruck des Covers und acht Seiten aus dem Buch - danke World of Books
Statt eines gebundenen Buches bekam ich einen hochqualitativen Nachdruck des Buchumschlags und acht Seiten aus dem Buch in einem professionell aussehendem Heft. Ich war sprachlos. Ich musste mich zuächst setzen, um den Schock zu verarbeiten. Tatsächlich war dies eine hoch professionelle Gaunerei.
Ich habe direkt über Amazon den Verkäufer kontaktiert und mich beschwert, den Fall beschrieben und obiges Fotos als Beweis an die Email gehängt. Unglücklicherweise war es Freitag, so dass ich bis Montag auf eine Antwort warten musste.

Die Antwort kam dann prompt, sehr freundlich und mit vielen Entschuldigungen und dem Angebot mir das richtige Buch nachzuschicken. Zu diesem Zeitpunkt war die Sache für mich eigentlich klar. Während ich dabei war, dem Verkäufer eine miserable Wertung zu geben und auch Amazon direkt von dem Fall in Kenntnis setzen wollte, bestand Amazon darauf dem Verkäufer die Chance des Gutmachens zu geben, insbesondere da die angesetzte 16tägige Lieferungsfrist noch nicht ausgelaufen war. Zähne knirschend schrieb ich also dem Verkäufer dass ich das Angebot annehme.

"Natürlich ersetzen wir das Buch, ich werde eine Sendung innerhalb der nächsten 24 Stunden veranlassen." Ich wartete. Und wartete. Drei volle Tage, und es passierte nichts. Wieder bemühte ich Amazon und schrieb eine neue Beschwerde-Email an den Verkäufer wo denn mein Buch sei. Ich sollte mich doch gedulden, es wäre auf dem Weg und nach wie vor innerhalb der Lieferungsfrist. Ich rechnete nicht, dass jemals irgend ein Buch bei mir ankommen würde. Ungeachtet Amazons Rat zu warten, schrieb ich endlich meine Email an den Kundendienst. Dort beschrieb ich detailliert den ganzen Fall und forderte Amazon auf aktiv etwas gegen solcher Art Cowboys zu tun. Ich wurde schwer enttäuscht. Amazon schien sich nicht wirklich für den Fall zu interessieren, gab mir seltsame Ratschläge, die darauf schließen, dass meine Email nicht richtig gelesen wurde. Ich war wütend und frustriert.

Glücklicherweise hatte mich der ganze Spaß nur £2,81 gekostet. Trotzdem eine Frechheit!

Am nächsten Tag wartete eine Überraschung an der Tür. Das Buch wurde geliefert. Argwöhnisch entpackte ich das Buch und schlug es auf. Hier lag es auf dem Tisch, tatsächlich und wahrhaftig. Nach all dem ganzen Ärger hatte ich also doch wirklich mein Buch für nur £2,81. Wenn auch die Beschreibung "sehr gut" nicht wahrheitsgemäß war, (der Umschlag war eingerissen und ein paar Ecken geknickt) es war doch völlig in Ordnung ohne große Schäden oder Kritzeleien.

Schließlich gab ich meine Feedback bei Amazon zum Kauf ab. Ich vergab wie geplant eine miserable Wertung und erklärte den Fall in meiner Wertung, in der Hoffnung so viele Leute wie möglich würden es lesen. Denn niemand außer dem Verlag selber hat das Recht Kopien des Buches, sei es auch nur im Auszug, anzufertigen und sie zu veräußern. Schon gar nicht wenn man den Leuten glauben macht, es handele sich dabei um das richtige Buch.

Eine wahrhaft wahnsinnige Erfahrung für mich, wo ich bisher viel Glück gehabt hatte in Sachen Internet-Kauf. Dennoch seid gewarnt ! Ich würde niemals wieder von World of Books kaufen. Die ganze Geschichte macht mich absolut skeptisch was generell das zukünftige Kaufen von gebrauchten Büchern angeht. Extrem schade, denn neue Bücher sind teuer. Aber sicherer, und damit wohl das Geld wert.




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