Dienstag, 18. Dezember 2012

Bewertung: "The Garden" RHS Gartenmagazin

Viele Amateur-Gartenzeitschriften kommen häufig sehr bunt daher. Dort gibt es viele übertrieben farbintensive Bilder und die Artikel sind meist nicht länger als eine Seite; oftmals sogar bestehen solche Zeitschriften aus vielen kleinen Geschichten, Fragen der Leser und Werbung. Die wenigen fachlich wertvollen Artikel sind dort von großen Firmen geschrieben/gesponsort und bewerben sich selbst darin. Fotos und Tatsachen werden zu Gunsten des Sponsors bearbeitet. Auch der Gebrauch von botanischen Namen wird vermieden, ebenso sind auch Sortennamen nicht immer korrekt, sondern lediglich mit hohem Wiedererkennungswert aus dem Gartencenter.

"The Garden" ist eine hochqualitative, englische Zeitschrift, die monatlich von der Royal Horticultural Society herausgebracht wird. Sie ist im Handel für jedermann für £4.25 erhältlich. Bezahlt man den Mitgliedsbeitrag von £51 (£4.25 x 12) pro Jahr, bekommt man sie umsonst nach Hause geschickt, und kann außerdem weitere Dienstleistungen der RHS als Mitglied in Anspruch nehmen.

The Garden, November 2012 The Garden, Dezember 2012

"The Garden" ist im Vergleich zur Breiten Masse der Gartenzeitschriften, sei es nun englische oder deutsche, wesentlich qualitativer. Als größter britischer Gartenbauverband muss das auch so sein, schließlich sind die Ansprüche hoch wenn man allein den Namen Royal Horticultural Society hört oder liest. Wenn auch nach wie vor hauptsächlich für Amateurgärtner verfasst, um eine möglichst breitgefächerte Leserschaft anzusprechen, wird dennoch Wert auf 100% Wahrheitsgehalt und korrekte Benennung der Pflanzen gelegt. Allerdings werden auch hier weitreichend bekannte Pflanzen wie z.B. Gänseblümchen oder Thymian mit ihren umgangssprachlichen Namen beschrieben (statt Bellis perenne oder Thymus vulgaris), wahrscheinlich um das Lesen zu vereinfachen und um, wie bereits erwähnt, eine möglichst große Leserschaft zu erreichen. Die meisten Pflanzen bekommen jedoch in den Artikeln ihre botanischen Bezeichnungen, auch stehen solche in Kursivbuchstaben, womit der wissenschaftlichen Linie gefolgt wird.

Der Inhalt besteht aus Themen die der Jahreszeit angepasst sind. Ein Ratgeber gibt Ideen über "Jobs", die jetzt gerade im Garten verrichtet werden sollten. Oder zeigt Lösungsvorschläge bei dieser oder jener Krankheit, die gerade jetzt im Jahr besonders stark auftritt. Hohe gartenbauliche Persönlichkeiten wie z.B. Alan Titchmarsh oder Roy Lancaster verfassen regelmäßig Beiträge über bestimmte Pflanzen, die sich von der Masse abheben und machen auf einfach zu kultivierende Raritäten aufmerksam, die ansonsten nur Experten kennen würden. Viele Seiten werden auch verwendet, um Neuigkeiten innerhalb der RHS zu verbreiten und ihre Mitglieder auf den neuesten Stand zu halten. Besonders im Sommer gibt es viele Beiträge über die weltberühmten Blumenausstellungen, mit Interviews der Designer und Vorschau auf die diesjährigen Besonderheiten. Leserbriefe gibt es auch hier, ebenso eine Kolumne. Ebenfalls Neuigkeiten aus anderen Gärten Englands werden verbreitet, sei es ob der botanische Garten in Kew einen neuen Direktor bekommt, ob "Eden Project" in Cornwall ein Lichtfest feiert oder ob ein Baum auf das Gewächshaus im Westonbirt Arboretum gefallen ist.

The Garden, Januar 1977 The Garden, April 1977

Nichts destotrotz ist "The Garden" nicht unbedingt für professionelle Experten mit hohen Ansprüchen. Es ist definitiv eine wunderbare Lektüre von höchster Qualität, erklärt viele Zusammenhänge und wissenschaftliche Hintergründe, allerdings um Horizont erweiternd für den Experten zu sein, fehlt es an Tiefe und Ausfürhlichkeit. Hierfür bringt die RHS "The Plantsman" ins Spiel. (Dazu mehr bald in einem anderen Beitrag hier im Blog)

Dennoch sticht diese Zeitschrift aus der breiten Masse hoch heraus, ist absolut vertrauenswürdig und lehrreich. Jeder lesende Gartenliebhaber, der £51 pro Jahr übrig hat und englisch versteht (oder lernen möchte?), sollte "The Garden" unbedingt abonnieren. Daher bewerte ich mit vier Sternen.



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