Dienstag, 15. Januar 2013

Roy Lancasters Erinnerungen

Für unser subtropisches Projekt hatten wir Roy Lancaster, Patron des Sir Harold Hillier Gartens, gebeten uns zu beratend zur Seite zu stehen. Denn Roy arbeitete um die 60er und 70er Jahre mit Sir Harold im Arboretum und weiß daher mehr als jeder andere über die Entstehung und Geschichte des Tender Garden, welcher heute ein Parkplatz bei Jermyns House ist.

Wie sich herausstellte, war es zudem auch sehr von Vorteil ihn bezüglich des Stipendiumantrages im Boot zu haben, teilte uns Roy mit. Sein Name würde uns eine wesentlich bessere Chance geben das Stipendium der Royal Horticultural Society auch zu bekommen. Wie er uns mitteilte, ist dies Standard der RHS, was er zugleich bedauert, weil auf diese Weise Anträge mit weniger bekannten Persönlichkeiten aber hohem Potential kaum eine Chance haben.

Nun nach Weihnachten war Roy Lancaster unerwartet begierig uns im Garten zu treffen und über das Projekt zu reden. Bisher hatten wir nur über Email während der Weihnachtszeit kommuniziert, weswegen Roy wie jedermann sehr beschäftigt war. Jetzt zeigte er ein ausgesprochenes Interesse an unserem Projekt und wollte uns eifrig unterstützen.

So erzählte er uns jede Menge über die Zeiten, als Sir Harold Jermyns House ersteigerte und die ersten Gartenbereiche mit seinen botanischen Souvenirs und Schätzen bepflanzte. Der große Mammutbaum neben dem Haus war mit eine der ersten Pflanzungen und von extremem Wert, da zugleich auch mit einer der ersten Mammutbäume überhaupt in Britannien.

Jermyns House, Sir Harold Hillier Arboretum and Gardens, ca. 1970


David hatte außerdem ein altes Foto ausgegraben, auf dem man Jermyns House, die jungen Koniferbeete und den Tender Garten aus der Vogelperspektive in den 70gern sehen konnte. Mit Hilfe von Roys Erinnerungen war es uns möglich viele Informationen zu sammeln, z.B. welche Pflanzen damals im Tender Garden gepflanzt waren, woher das Pflanzenmaterial stammte und wo damals im Garten Mikroklimate vorhanden waren, um grenzwertig frostharte Pflanzen anzupflanzen.

Es zeigte sich schon jetzt im Gespräch eine scheinbar drastische Veränderung bezüglich der botanischen Möglichkeiten in Verbindung mit den damaligen Temperaturen. So waren Pflanzen wie Eucalyptus sp., Olearia sp., Choysia sp., Viburnum tinus und Photinia nussia damals absolute Exoten, während heute diese Pflanzen eher Standard in England sind und andere wie Musa basjoo, Trachycarpus fortunei, Yucca sp. und empfindliche Salvia sp.zu den frostempfindlichen Exoten zählen. Damals wäre es undenkbar gewesen Yucca sp., Musa basjoo oder Salvia sp. über den Winter draußen im Garten zu belassen, sagte Roy.

Wie der Zufall es wollte, schlenderte ein Gartenbesucher vorbei, der sich als Stan Dodring entpuppte. Stan arbeitete lange Jahre als Botaniker für Hilliers, teils in der Baumschule, aber auch teils im Arboretum. Er und Roy sind damit ehemalige Arbeitskollegen und bis heute enge Freunde. Roy involvierte Stan auch direkt in unser Projekt und bat ihn seine Erinnerungen beizusteuern.

Ich notierte alles fleißig und war fasziniert von den alten Geschichten. Zu gern hätte ich den Garten und die Pflanzen damals im Anfangsstadium gesehen und auch gerne Sir Harold persönlich kennen gelernt. Dieses Projekt verspricht auf jeden Fall spannend zu werden, auch wenn wir wohl letztlich eine mögliche Renovierung des Tender Gardens nicht durchführen können, so werden wir dennoch potentielle Mikroklimate innerhalb des Arboretums untersuchen und eventuell exotisch bepflanzen. Vor allem aber werden wir auch ein wenig die Geschichte des Arboretum aufrollen, da es hier wohl einige Defizite und "Erinnerungslücken" im Archiv gibt und jemand wie Roy Lancaster natürlich nicht ewig leben wird und daher die schriftliche Festhaltung seiner Erinnerungen von hoher Wichtigkeit ist.


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