Sonntag, 10. Februar 2013

Stauden in der Gestaltung

Maximillianpark Hamm 2008
In der Gartengestaltung spielen Stauden (mehrjährige krautige Pflanzen) eine wichtige Rolle. Sie geben einer Pflanzung Tiefe und Inhalt, intensivieren durch ihre Blatttextur und Blütenfarbe eine bestimmte Stimmung oder Atmosphäre, während holzige Pflanzen wie Bäume und Sträucher das Grundgerüst des Gartens bilden.
» Infolge der wachsenden Bedeutung der Stauden in den Gärten, entstanden spezialisierte Anzuchtstätten. «  aus "Stauden im Freiland", Bernd Hertle
So wurde 1880 die erste reine Staudengärtnerei in Tottenham, England gegründet. Viele deutsche und auch niederländische Gärtner verbrachten einige Gesellenjahre dort. Georg Arends war einer von ihnen und brachte den englischen Staudengarteneinfluss nach Deutschland. Er eröffnete 1888 die erste Staudengärtnerei in Wuppertal. Seither brachte diese Gärtnerei viele neue Züchtungen hervor. Auch Karl Foerster beeinflusste maßgeblich die deutsche Gartenkultur.

Stauden erfreuten sich großer Beliebtheit. Allerdings unterschied sich das deutsche kontinentale Klima sehr vom englischen ozeanischen Klima. Daher gedeihen in England eine größere Staudenvielfalt und auch Stauden unterschiedlichster Lebensbereiche können erfolgreicher miteinander kombiniert werden. In Deutschland wurde es daher sehr wichtig die Standortansprüche der Stauden genauestens zu kennen, um dennoch einen ebenso vielseitigen Staudengarten dauerhaft zu gestalten.

Um Stauden erfolgreich, effektiv und dauerhaft einzusetzen, sollte man über deren Charaktereigenschaften und vor allem über deren heimatlichen Ursprungsstandorte bescheid wissen. Der heimatliche Standort ist jene Nische, in welcher sie am erfolgreichsten gedeihen, weil sie sich über Jahrtausende daran angepasst haben (Stichwort Evolution). Dies bedeutet nicht simples Überleben, sondern sie kommen hier zur vollen Entfaltung, was essentiell für die optimale Gartengestaltung ist.

Sir Harold Hillier Gardens 2012

Die Standortansprüche der Pflanzen setzen sich aus sieben Faktoren zusammen:
  1. Bodeneigenschaften
  2. Nährstoffangebot (im Zusammenhang mit dem pH-Wert)
  3. Lichtangebot
  4. Wasserverfügbarkeit
  5. Luftfeuchte
  6. Temperatur
  7. Konkurrenz durch andere Pflanzen
Diese Faktoren sollten eine ebenso wichtige Rolle spielen wie die Gestaltung selbst, welche aus gleichfalls aus sieben Faktoren besteht.
  1. Farbe der Blüten und des Laubes
  2. Pflanzenhöhe
  3. Habitus
  4. Blattform
  5. Textur
  6. Struktur
  7. jahreszeitliche Entwicklung

Maximillianpark Hamm 2008
Nichtsdestotrotz sind Stauden anpassungsfähig. Ist der Standort zu sonnig gewählt kann die Pflanze bei reichlichem Wasserangebot durchaus gedeihen. Manche sonnenliebende Pflanzen wachsen im Schatten größer als sie an einem sonnigem Standort würden, weil sie auf der "Suche" nach mehr Sonnenlicht sind. Auch ist das Laub von Sonnenpflanzen an Schattenstandorten größer, was bei einer Gartengestaltung beachtet werden muss. Ebenso könnte sich die Blütenfarbe durch den höheren Strahlungseinfluss verändern, oder die Pflanze blüht nur sehr spärlich, weil sie nicht genug Sonnenlicht bekommt.

Oftmals muss eine Gartengestaltung im Jahr nach der Erstellung kritisch betrachtet werden. Pflanzen die sich nicht wie "geplant" verhalten, müssen eventuell ausgetauscht werden. Erst wenn man viele Jahre lang Erfahrung in der Gartengestaltung hat, werden solche Missglücke weniger, einfach weil man über die Jahre die Pflanzen mehr und mehr an verschiedenen Standorten kennengelernt hat. Am Ende kann man die gesammelte Erfahrung bis hin zur absichtlichen Manipulation nutzen. Weiß man beispielsweise das eine hohe und großblättrige Sorte an einem sehr sonnigem, aber gut feuchtem Standort wesentlich kleinwüchsiger bleibt, kann man diese Pflanze womöglich dennoch erfolgreich und dauerhaft im Vordergrund platzieren, wo sie üblicherweise eher im Hintegrund und im Schatten angesiedelt sein sollte.

Maximillianpark Hamm 2008
Andere Pflanzen kann man natürlich auch durch dauerhaften menschlichen Einfluss manipulieren. Dies ist gängige Praxis in vielen englischen Gärten. Dort werden zum Beispiel Cotinus sp., Catalpa sp. oder Cercis sp., welche normalerweise große Bäume bilden, durch jährlichen, drastischen Schnitt klein gehalten (coppicing). Ein gewünschter Nebeneffekt ist außerdem, dass diese Pflanzen durch den jährlichen Schnitt wesentlich größeres Laub bilden und damit noch mehr Struktur in die Gestaltung einbringen.

Eine Gartengestaltung, die dauerhaft mit ihrem Zauber überzeugen soll, erfordert somit nicht nur die Theorie über Gestaltungselemente wie Farben uns Texturen, sondern vor allem Expertenwissen über die verwendeten Pflanzen und jahrelange Erfahrung im Umgang mit ihnen.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...