Mittwoch, 13. Februar 2013

Stauden Lebensbereiche

Um eine gute und langhaltige Gartengestaltung mit Stauden zu erschaffen, ist detailliertes Wissen über den ursprünglichen Naturstandort der Pflanzen essentiell. (siehe auch "Stauden in der Gestaltung")
Dabei spielt die Länderherkunft selbst wenig eine Rolle; wichtig hierbei sind die Lebensbereiche, in denen die Stauden beheimatet sind. Waldstandorte beispielsweise gibt es in Asien genauso wie in Nordamerika. Natürlich muss dennoch das heimatliche Klima und auch die Frosthärte miteinbezogen werden.

Nun kann man die Lebensbereiche der Stauden in acht Kategorien einteilen. Jeder Lebensbereich hat individuelle Eigenschaften, welche dem heimatlichen Standort der Staude entspricht. Das Klima (Niederschlag, Temperatur, Wind und Luftfeuchte) allerdings wird in diesem System nicht betrachtet, sondern lediglich Eigenschaften wie Bodenbeschaffenheit, Konkurrenz durch andere Pflanzen und die Menge des vorhandenen Sonnenlichts.

Obgleich sich dieses System der Lebensbereiche sehr praktibel umsetzen lässt und eine sehr wichtige Hilfe in der Gartengestaltung ist, muss dennoch darauf hingewiesen werden, dass sich nichtsdestotrotz Stauden an einen Standort anpassen können, ganz wie sie es in der Natur auch tun würden. Daher kann man keine klare Grenze zwischen den einzelnen Lebensbereichen ziehen. Eine Staude aus dem Waldstandort mag auch am Waldrand gedeihen oder sogar auf einer relativ offenen Fläche, wenn es dort ein schattierendes Gehölz über die Mittagsstunden gibt. So gesehen kann man ein wenig Flexibilität in die Gestaltung einfließen lassen, die allerdings durch Pflanzenerfahrung geprägt sein sollte. Kennt man eine Pflanze nicht gut genug, sollte man nicht die Schönheit und den Erfolg einer Gartengestaltung durch Experimentieren riskieren, sondern sich dann doch besser an die direkten Lebensbereichangaben halten.

Wald

Der Waldstandort zeichnet sich durch eine enge Beziehung zwischen Gehölzen und krautigen Pflanzen aus. Es ist eine gemischte Pflanzung, welche in drei Schichten eingeteilt ist: die Baumschicht, die Strauchschicht und die Bodenflora. Die Bäume bilden mit ihren Kronen das Dach des Waldes und beschatten (je nach Baumart mehr oder weniger) die Pflanzen unter ihnen. Die Strauchschicht unterhalb der Bäume bekommt nur einen Bruchteil des Sonnenlichtes ab, beschattet ihrerseits die Bodenflora. Alle krautigen Pflanzen an diesem Standort wie z.B. Stauden, müssen mit wenig Licht auskommen. Durch die hohe Wurzelkonkurrenz der Gehölze ist außerdem die Wasserverfügbarkeit reduziert, ebenso die Nährstoffe. Es muss mit Trockenperioden gerechnet werden. Gleichzeitig ist der Boden jedoch zumeist humos, denn jeden Herbst fällt eine dicke Schicht Laub herab, die sich langsam zu Kompost zersetzt. Es herrscht ein gleichmäßiges Klima; die Bäume und Sträucher puffern Temperaturschwankungen und fangen ebenso starke Winde ab.

Abbotsbury Subtropical Garden, 2012

Waldrand

Beim Waldrand muss zwischen offenem und geschlossenem Gehölzrand unterschieden werden. Geschlossener Gehölzrand bedeutet hierbei, dass Bäume oder Sträucher bis auf den Boden dicht beastet sind und bilden damit ein definierte Grenze zwischen Wald und Freifläche. Der offene Gehölzrand dagegen besitzt keine derartig dichte Beastung bzw. die Gehölze stehen lose zueinander und gehen allmählich zur Freifläche über, so dass die Stauden sich leichter unter die Gehölze mischen können und sich weiter verteilen. In beiden Fällen zeichnet sich der Waldrand durch stetig wechselnde Belichtungsverhältnisse aus; je nach Lage (z.B. Süden oder Norden zugewandt) ist mehr oder weniger Sonnenlicht vorhanden. Daher gibt es hier keine klare Abgrenzung für die Stauden, welche nur in einem einzigen Bereich angesiedelt sind (s.o.).

Freifläche

Die Freifläche ist offen, mit wenig oder gar keiner Beschattung durch Gehölze. Deswegen ist eine permanente Besonnung und sehr geringer Wurzeldruck durch konkurrierende Pflanzen vorhanden. Allerdings unterscheiden sich Freiflächen stark in ihrer Exposition, der Wasser- und Nährstoffverfügbarkeit, je nach dem welcher Seite sie zugewandt sind (z.B. Süd- oder Nordhang, Ebene). Die Bodenbeschaffenheit beeinflusst deutlich die botanische Vielfalt. So muss man zwischen durchlässig trockenen (auch Tendenz zum Steingarten) und feuchten (auch Tendenz zum Wasserrand) Standorten unterscheiden.

Präriegarten, RHS Wisley 2011

Steingarten

Dieser Lebensbereich ist relativ rau. Steingärten sind heiße, trockene Standorte. Der Untergrund ist steinig, bestehend aus Schotter, welcher durch große Steine unterbrochen wird. Dies macht den Boden sehr durchlässig bedingt durch die geringe Wasserhaltekraft. Ebenso sind Nährstoffe wenig vorhanden. Es herrscht volle Besonnung bei hoher Wärmerückstrahlung durch die Steine, was zu großer Aufhitzung führen kann. Die Flora in Steingärten ist üblicherweise von geringem Wuchs mit sehr wenigen schattenspendenen Gehölzen. Daher müssen Pflanzen Hitze- und Trockenheitsresistent sein. Die offene Fläche bietet außerdem keinen Schutz vor harschen Winden und Frösten.

Botanischer Garten Osnabrück, 2008

Alpinum

Das Alpinum gleicht einem Hochgebirgsstandort. Folglich sehr ähnlich wie der Steingarten, allerdings wesentlich extremer. Erde oder Humus gibt es kaum, um nahrhaften Wurzelraum für Pflanzen zu bieten. Vielmehr müssen sich Pflanzen in winzige Lücken im Geröll suchen. Es weht ein stetiger Wind. Die Pflanzen müssen an hohe Temperturschwankungen zwischen Tag und Nacht und den Jahreszeiten angepasst sein, sogar an zeitweiser Überdeckung durch Schnee und Eis. Die angesiedelten Pflanzen sind generell sehr konkurrenzschwach.

Beet

Das Beet ist ein von Menschenhand geschaffener Lebensbereich. Der Boden ist offen, kultiviert und gehaltvoll bei guter Wasserverfügbarkeit (auch durch die künstliche Bewässerung). Dieser Standort ist mehr als jeder andere weitestgehend manipuliert und den Ansprüchen der Pflanzen gerecht gemacht. Daher findet man hier eine extrem hohe Artenvielfalt. Stauden für diesen Lebensbereich nennt man auch Pracht- oder Rabattenstauden, weil sie auffallend reich blühen und zumeist Zuchtsorten sind.

NT Woolbedding, 2011

Wasserrand

Der Wasserrand sollte nicht mit der Bezeichnung "Sumpf" gleichgesetzt werden. Am Wasserrand herrscht feuchter Boden, welcher zeitweilig abgetrocknet oder geflutet ist, wohingegen der Sumpf immer und ständig staunass bis stagnierend ist. Ansonsten kann der Wasserrand sonnig bis schattig sein, je nach dem welche Nachbarpflanzen vorhanden sind.

Wasser

Der Lebensbereich Wasser ist vor allem durch die Wassertiefe beeinflusst, nach denen sich die Flora richtet. Nicht alle Pflanzen sind an variable Wassertiefen angepasst. Mit einhergehend muss auch das Vereisen des Wassers betrachtet werden. Ist die Wassertiefe nur gering, gefriert im Winter wahrscheinlich das gesamte Wasservolumen, während bei tieferen Wässern nur die Oberfläche betroffen ist. Auch sollte man den Wasserfluss mitbedenken. Manche Pflanzen brauchen eine stetige Strömung, andere tolerieren stagnierendes Wasser. So kann man zwischen Schwimmblattpflanzen, Unterwasserpflanzen und freischwimmende Wasserpflanzen unterscheiden.

Longstock Watergardens, 2009



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