Dienstag, 12. März 2013

Amerikanische Frosthärtezonen

Die Frosthärte der Pflanzen Teil 1:


Als frosthart bezeichnet man die Robustheit einer Pflanze kalte Temperaturen zu überstehen. Es ist der Widerstand gegen Frost, also die Toleranz und das Überleben von Temperaturbereichen unter 0°C. Pflanzen sind mehr oder weniger frosthart, je nach heimatlichem Standort, an den sich die Pflanze über Jahrtausende angepasst hat. Tropische Pflanzen haben überhaupt gar keine Frostresistenz, wohingegen Pflanzen aus alpinen Standorten hohe Frostresistenzen bilden.

Nicht zu verwechseln mit dem Begriff "winterhart", welcher nicht nur den Temperatureinfluss, sondern auch den Niederschlag, Wind etc. als Gesamtheit der winterlichen Witterung bezeichnet.

Das amerikanische System:

Zur Veinfachung der Auswahl potentieller Gartenpflanzen und -kulturen hat das amerikanische Landwirtschaftsministerium USDA (United States Department of Agriculture) geographische Lagen von Nordamerika in dreizehn Zonen klassifiziert. Zone 1 ist dabei die kälteste, Zone 13 die wärmste. Diese Zonen wurden aufgrund einer 30jährigen Statistik der durchschnittlichen Tiefsttemperaturen eingeteilt. Jede Zone unterscheidet sich um 10°F (= 5,5°C).

USDA Winterhärte-Zonen

Bis auf das amerikanische System gab es allerdings nichts Vergleichbares für den europäischen Raum, so dass diese Zonen für Europa übertragen werden mussten. Hierbei wurden die Zonen halbiert (a und b), um dem verhältnismäßig kleinräumigen, mitteleuropäischen Klima gerecht zu werden.

Dieses System wird in Europa allerdings weniger von Agrarwirten als von Gärtnern genutzt. Vor allem im Gartenbau erweisen sich Frosthärtezonen als hilfreich, wenn man Gärten mit fremdländischen Pflanzen bestücken möchte. Daher ist eine Angabe der Frosthärte von Pflanzen außerhalb ihres natürlichen Verbreitungsgebietes bedeutsam. (siehe auch: "Die Frosthärte der Pflanzen Teil 3 - Anwendung der Frosthärte-Angaben")

Da aber scheinbar keine offizielle Behörde wie z.B. die deutsche Landwirtschaftkammer oder das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) eine Frosthärtezonenkarte für Deutschland bisher erstellt hat, kursieren im Internet einige "Amateur"-Versionen. Solche Karten haben recht grob markierte Zonen, die farblich ebenfalls nicht mit dem amerikanischen System übereinstimmen.

Europäische Frosthärtezonen (www.tropenland.de)

Die Royal Horticultural Society (RHS) geht sogar überhaupt gar nicht auf die amerikanische Zonenbezeichnung ein, sondern klassifiziert hier nur vier Zonen im RHS-eigenen System.
Es lässt vermuten, dass die obige Karte von tropenland.de mehr oder weniger eine Verflechtung der RHS-Karte und den amerikanischen Zonen ist.

Winterliche Durchschnittstemperaturen in Europa (Royal Horticultural Society)

Allerdings herrscht ein derber Irrtum. Denn ein großer Fehler dieses Systems ist, dass es sich nach durchschnittlichen Tiefsttemperaturen richtet. Das bedeutet, dass eine solche Temperatur zwar eine grobe Richtlinie bietet, aber dennoch kein sicheres Indiz für das Überleben einer weniger frostempfindlichen Pflanze in einer bestimmten Frosthärtezone ist.

Als Beispiel:
Ein Gehölz ist als frostempfindlich für Zone 9 eingetragen. Die Pflanze kann damit theoretisch nur Fröste bis -6,7°C aushalten, bevor es zu Schäden kommt. Eine Durchschnittstemperatur besteht aber aus Maximum- und Minimumwerten. So könnten also in Zone 9 trotzdem Fröste weit kälter als die angegebenen -6,7°C auftreten, was womöglich nicht nur zu Schäden an der Pflanze, sondern unter Umständen zum Totalausfall führt.

Dies ist der Grund weshalb die RHS 2012 endlich die Frosthärtezonen für Großbritannien und Europa komplett neu überdacht hat. (siehe "Die Frosthärte der Pflanzen Teil 2 - Das britische System")



1 Kommentar:

  1. Danke für die Informationen! Ich lerne nie aus, für mich als Laie war frosthart und winterhart dasselbe!

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