Samstag, 13. April 2013

RHS Samen behandelt oder ausgesät

Heute hatte ich endlich, endlich Zeit meine tollen Samen von der RHS einzusäen. Die letzten Wochen waren bei mir sehr turbulent und stressig; dabei hatte ich zahlreich Gärtnerisches auf meiner "Möchte ich unbedingt tun" - Liste stehen. So konnte ich es nicht erwarten schließlich nach draußen in meinen eigenen Garten zu kommen.

Dort erwartete mich ein trauriges Bild. Unkraut wohin man sieht, viele Pflanzen mit braunen Blättern, die Erde vom vielen Regen verdichtet und dann gibt es dies und das, welches ich umpflanzen möchte. Oje... ich brauche mehr Zeit.

Priorität für heute allerdings die Samen. Denn es wird doch langsam spät. Zwar hatten wir viele, lange Wochen zuvor noch eisiges Wetter, was die Pflanzen in ihrer saisonalen Entwicklung stark bremste; mit den letzten Tagen warmer Frühlingsluft und Sonnenschein jedoch explodieren die Pflanzen förmlich. Da bleibt kaum Zeit Versäumtes nachzuholen und schon ist es zu spät.

Recherche
Zunächst einmal musste ich aber in meinen Büchern wälzen, denn viele dieser Samen habe ich noch nie zuvor vermehrt. Daher war es wichtig herauszufinden, auf welche Weise diese oder jene Samen ausgesät oder behandelt werden müssen. Zu jeder Pflanze machte ich mir Notizen auf einem Post-It, worauf ich dann auch das Datum festhalten kann.

Dill-Samen, Anethum graveolens
Danach ging es um das eigentliche Aussäen. Ich benutzte herkömliches Substrat aus dem Gartencenter, nichts spezielles. Ich weiß, dass ein Aussaat-Substrat eine wesentlich feinere Struktur und weniger Nährstoffe enthält. So hatte ich zwar einige kleine Holzhäcksel und diverse Kompost-Knubbel im Substrat, mich persönlich störte das aber nicht. Die Keimlinge dürften damit auch wenig Probleme haben, sind die Bedingungen in der Natur schließlich auch nie perfekt.



Samen wie die der Küchenschelle, Pulsatilla vulgaris (eine meiner absoluten Lieblingspflanze), haben ein haariges Fähnchen, das den Samen ermöglicht mit dem Wind in benachbarte Gebiete zu fliegen. Diese Fähnchen stören allerdings beim Aussäen per Hand. Sie verhindern dass die Samen Kontakt mit dem Substrat haben und schieben sich trotz Andrücken wieder heraus. Deshalb sollten die Fähnchen vor dem Aussäen vorsichtig entfernt werden. Dies kann man mit einer scharfen Schere machen oder sie mit ein wenig Fingerspitzengefühl sachte abbrechen. Am Ende können die Samen problemlos eingesät werden.
Pulsatilla vulgaris Samen, rechts mit Fähnchen, links ohne.

Je nach Anzahl der Samen habe ich entweder 9cm Plastiktöpfe oder Anzuchtschalen genutzt. Die meisten Samen profitieren von einer Sandschicht, um die Samen zu beschweren und abzudecken. Einige brauchen Licht oder Dunkelheit zum Keimen, so variiert die Schichtdicke je nach Art. Manche brauchen gar keine Sandschicht, dann allerdings muss darauf geachtet werden, dass die Samen nicht durch Wind fort geblasen werden können. Auch droht draußen die Gefahr von Nagerfraß oder Vögel, die im Substrat picken.


Jede Samenpartie sollte für eine spätere Identifizierung ordentlich beschriftet werden. Einige Samen benötigen Zimmertemperaturen zum Keimen, andere wiederum mögen den stetigen Wechsel zwischen Nach- und Tagtemperaturen oder sogar Frost.

Besonders zur Umgehung der Keimhemmung ist ein Saatbehandlung von Nöten. Eine Keimhemmung verhindert das Keimen in ungünstigen Bedingungen. So können die Samen beispielsweise den Winter sicher überleben und "wissen" genau wenn es Frühjahr ist. Man kann dies durch sogenanntes Stratifizieren manipulieren und die Samen quasi überlisten. Dazu friert man die Samen über einen gewissen Zeitraum ein, oder lagert die Samen im Kühlschrank. Manchmal ist es möglich dies in trockenem Zustand zu machen, häufig allerdings sollten die Samen in handfeuchtem Substrat liegen. Der Zeitraum für eine Stratifizierung variiert je nach Pflanzenart und kann am besten in Büchern nachgelesen werden.

Samen mit dicken Schalen müssen möglicherweise skarifiziert (angekratzt oder angeraut) werden. Denn auch hier wirkt die dicke Samenschale als Keimhemmung. In der Natur würden Feuchtigkeit, Mikroorganismen und Temperaturschwankungen für eine langsame Zersetzung sorgen. Erst dann kann Wasser zum innen liegenden Samen gelangen und den Keimprozess beginnen. Zuhause kann man dies sehr leicht mit Schmirgelpapier (Sandpapier) hinbekommen. Oder man auch mit einem scharfen Messer sehr vorsichtig die Schale ankratzen. Anschließendes Einweichen in Wasser über 24 Std. erhöht ebenfalls die Keimrate.

Jetzt brauche ich ein wenig Geduld. In einigen Wochen sollten meine Samen gekeimt haben, obwohl einige Samen laut Literatur natürlicherweise Monate zum Keimen brauchen.
Dabei bin ich doch so ungeduldig...

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