Sonntag, 19. Mai 2013

Devons Nordküste

Die vergangene Woche habe ich an Devons Nordküste verbracht. Eine landschaftlich dramatische Szenerie, die zugleich mit fantastischen Entdeckungen fasziniert. Wer also nicht Fußfaul ist, kann hier über Monate erkunden.

Rockham Bay, Devon
Zu dieser Zeit waren die Hügel und Klippen mit leuchtend gelbem Stechginster, Ulex europaeus (Fabaceae) überzogenen. Ein schmaler Küstenpfad lud zum stundenlangen Wandern ein, um den einen oder anderen versteckten Leuchtturm zu entdecken. Von den Hügelkämmen aus hatte man eine fantastische Aussicht zur benachbarten Insel Lundy, oder ins Inland. Mit ein wenig Glück kann man entlang der Küste außerdem Robben beobachten, obwohl ich keine gesehen habe.

Natürlich war ich neben Erholung und Entspannung auch auf botanischem Exkurs. Schließlich war ich neugierig und erkundete die Klippen und Steilhänge genauer. Dort fand ich so einige schöne Pflanzen, welche sich an diesem harschen Standort mit stürmischen Winden und salziger Luft adaptiert haben.  

Botanische Vielfalt an den Schiefer-Klippen

Armeria maritima
Armeria maritima war dabei wohl am häufigsten zu finden. Diese kleine Grasnelke klammerte sich an die kleinsten Nischen im Schiefergestein. Grundsätzlich ist diese Pflanze sehr anpassungsfähig und damit auch sehr leicht für den Garten zu kultivieren. Daher wird sie auch oft in Steingärten und anderen verwendet.

Das Klippen-Leimkraut, Silene uniflora (ehemals S. maritima) gefiel mir optisch am besten. Die weißen röhrenförmigen Blüten zitterten sachte im Wind geschützter Ecken, umhüllt von einer dunkelrot geäderten Schale.

Silene uniflora, Klippen-Leimkraut
Der Meer-Fenchel, Crithmum maritimum, findet sogar kulinarisch Verwendung und wird als teures Gewürzkraut für Delikatessen angeboten. Ich habe mir allerdings sagen lassen, dass er einen starken Geschmacksgeber, z.B. Aal, braucht, weil der Meer-Fenchel ansonsten etwas bitter schmeckt.

Crithmum maritimum, Meer-Fenchel
Umbilicus rupestris, auch Venusnabel genannt, gehört zur Familie der Dickblattgewächse, Crassulaceae. Typisch dafür sind die fleischigen Blätter, welche zur Speicherung von Wasser genutzt werden. Manches Exemplar hatte Blätter die fast so groß wie meine Handfläche waren. Hier an Devons Küste habe ich U. rupestris in Mauern und Felsvorsprüngen wachsen gesehen, die mehrheitlich nach Westen ausgerichtet oder teilweise beschattet gewesen waren.

Umbilicus rupestris, Venusnabel

Anthyllis vulneraria, Gewöhnlicher Wundklee
Der Gewöhnliche Wundklee gehört wie auch der Stechginster, Ulex europaeus zur Familie der Schmetterlingsblütengewächse, Fabaceae. Die leuchtend gelben Schmetterlingsblüten sitzen in den Achseln unpaarig gefiederter Blätter. Dieses kleine Kraut bevorzugt alkalischen, kalkreichen Boden mit wenigen Nährstoffen. Der Wundklee bekam seinen Namen durch seine wundheilenden Eigenschaften, wurde damit in der Vergangenheit als Wundheilmittel benutzt. Saponine und Gerbstoffe in der Pflanze haben eine blutstillende Wirkung.

Ebenso weit verbreitet schien Lotus corniculatus, welches ich häufig an den Klippen wachsend gefunden habe. Ebenfalls teil der Schmetterlingsblütenfamilie Fabaceae, trägt dieses Kraut die typisch gelben Blüten, die zudem purpur überlaufen sind. Insgesamt aber etwas gedrungener wüchsig als Anthyllis vulneraria, jedoch mit größeren Blütenköpfen. In jungem Stadium erscheinen die gefiederten Blätter samtig behaart.

Auch Achillea millefolium, ein weithin bekanntes Kraut, fand ich zwischen den Felsen und Gräsern auf den Klippen. Hier zwergwüchsig und sehr gedrungen, trotzte es den harschen Bedingungen.

Beta vulgaris ssp. maritima

Wer kennt nicht die Gemüsearten Rote Bete, Beta vulgaris var. vulgaris oder Mangold, Beta vulgaris ssp. cicla? Nun, an den Felshängen fand ich ein naher Verwandter, See-Mangold oder zu latein Beta vulgaris ssp. maritima. Das Aussehen kann leicht mit dem kleinen Sauerampfer Rumex acetosella verwechselt werden, obwohl tatsächlich in der Familie der Chenopodiaceae (statt Polygonaceae) und damit verwandt mit Gänsefuß und Melde, unter anderem aber auch mit dem essbaren Quinoa, Chenopodium quinoa.

Obwohl an Devons Nordküste, sind einige Strände nach Westen ausgerichtet. Bei blauem Himmel und Sonnenschein kann man hier also wunderbare Sonnenuntergänge am Sandstrand beobachten. Ein wunderbarer Abschiedsgruß an unserem letzten Abend.

Woolacombe Bay, Devon

Kommentare:

  1. So wunderschön! Ich war früher immer mal wieder in UK, aber habe natürlich bei Weitem nicht das ganze Land gesehen. Vielen Dank für den tollen Bericht und für's "Botanisieren". War sehr interessant für mich.
    LG Calendula

    AntwortenLöschen

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...