Mittwoch, 15. Mai 2013

The Lost Gardens of Heligan

Seit Jahren hörte ich zahlreiche Geschichten über The Lost Gardens of Heligan und wie wundervoll atmosphärisch dieser Garten sei. 2009 war ich bereits auf dem Weg nach St. Austell, Cornwall gewesen, um eben Lost Heligan zu besuchen. Leider endete die Reise in einem schweren Autounfall, so dass ich nie dort ankam. Seither hatte ich auf eine erneute Chance für einen Besuch gewartet.

Obwohl wir in der Nähe von Woolacombe campierten, erschien der Garten dennoch in Reichweite für einen Tagesausflug. Es galten 95 Meilen (ca. 150km) zu überwinden, um von der Nordküste Devons zur Südküste in Cornwall zu fahren. Nach fast drei Stunden Fahrt, vielem Suchen und Umkehren bis endlich der richtige Weg gefunden war (St. Austell ist miserabel beschildert), erreichten wir The Lost Gardens of Heligan. Die ganze Zeit hatte es aus Eimern geregnet und die Wettervorhersage war für den ganzen Tag extrem nass. Dennoch war mein Wunsch endlich den Garten zu sehen größer als die Unannehmlichkeiten des Wetters.

Der Eingang von Lost Gardens of Heligan

Lost Heligan hat eine bewegte und dank Tim Smit nun auch eine berühmte Geschichte. Tim zog vor Jahren nach Cornwall. Auf der Suche nach einem Feld für seine Schweine, stöberte er in den umliegenden Ländereien und stoß dabei auf einen vergessenen Garten. Nach ein wenig Recherche fand er heraus, dass die Ländereien der Familie Tremayne seit über 400 Jahren gehörten. Seit Jahrzehnten sich selbst überlassen, fand Tim dort verfallene viktorianische Gewächshäuser und Ruinen, nebst verwilderten botanischen Raritäten und Besonderheiten.

"Our discovery of a tiny room, buried under fallen masonry in the corner of one of the walled gardens, was to unlock the secret of their demise."

"Die Entdeckung eines winzigen Raumes, unter gefallenen Mauerwerk in der Ecke einer der ummauerten Gärten begraben, hatte das Geheimnis des Unterganges enthüllt." aus: Heligans Geschichte

Eingangsbereich mit Souvenirladen und Café
Mit unermesslichem Aufwand und viel Hilfe von Freunden, restaurierte Tim Smit den Garten, mit Unterstützung der Tremayne-Familie. Um die finanziellen Mittel aufzuwenden, vermarktete Tim den Garten so gut wie möglich, schrieb Bücher über seine Erfahrungen des Wiederaufbaus und war in allen möglichen Fernsehsendungen zu sehen. Dies entwickelte sich zu purem Erfolg, so dass Tim im Jahr 2000 Eden Project, unweit von Lost Heligan, gründete.

Übersichtskarte des Gartens Lost Heligan

Am Eingang von Lost Heligan müssen Erwachsene saftige £11 bezahlen. Dort bekamen wir eine Übersichtskarte und Mini-Kompass überreicht. Natürlich war die Karte in dem strömenden Regen schon nach wenigen Minuten durchweicht. Wir schlenderten durch die Northern Gardens, bepflanzt mit alten Rhododendron, die ihre Äste und Stämme kunstvoll umeinander schlungen; betulichst darauf bedacht den fiesen Regen zu ignorieren. Die Rhododendron waren mit tief hängenden farbenfrohen Blüten bestückt. Zu meiner Enttäuschung waren viele dieser Beete mit Unmengen Unkraut bedeckt. Das sah etwas ungepflegt aus.

Der italienische Garten sah sogar in diesem nassem Grau charmant aus. Bestehend aus einer Terrassenfläche mit einem kleinen Sommerhaus, war dieser Teil des Garten mit bepflanzten Terracottatöpfen und weißen viktorianischen Gartenbänken geschmückt.

Italinische Terrasse blau-blühende Camassia

Gemüsegarten

Vogelscheuche nach englischer Art
Der ummauerte Gemüsegarten hingegen erschien riesig und super-sauber, mit absolut geraden Linien, bepflanzt mit Erbsen, Kartoffeln, Salat und ... Osterglocken? Was haben Osterglocken im Gemüse zu suchen? Später fand ich heraus, dass der Gemüsegarten so angepflanzt wurde, wie damals um 1914. Geschichtliche Erhaltung wird im Garten groß geschrieben, war es schließlich der Grund für die gesamte Restaurierung.

Eine ansehnlich gekleidete Vogelscheuche brachte englischen Stil in den Gemüsegarten. Ob Mr. Tremayne wohl Model gestanden hatte?

Da ich keine Gemüsegärtner bin, finde ich es immer faszinierend zu sehen, wie die Profis Bohnen, Erbsen und Co. anbauen. Selbst nur vom Schauen kann man eine Menge lernen.

Die japanische Weinbeere, Rubus phoenicolasius
Entlang der Mauer gab es viele Spaliere mit allerhand interessantem Obst. Neben den typischen Apfelformationen gab es aber auch die japanische Weinbeere, Rubus phoenicolasius. Beheimatet in Asien (China, Korea und Japan) wurde diese Art Himbeere 1976 in Europa eingeführt. Gegessen habe ich sie selber noch nicht, auch habe ich die Weinbeere bisher nur selten in Gärten gesehen.

Bin ja doch neugierig. Im Sir Harold Hillier Arboretum haben wir laut Datenbank zwei Exemplare, da werde ich die Tage mal auf die Suche gehen.

Durch einen Torbogen gingen wir in den Melonen-Hof. Hier befinden sich die berühmten viktorianischen Frühebeete und Gewächshäuser, wo Anfang des 20. Jahrhunderts das berühmte Bild des Mammnutblattes aufgenommen wurde. Tatsächlich wurden hier Melonen und Ananas angebaut. Heute sind die Beete nach wie vor mit Melonen und exotischem Gemüse wie Pak Choi bestückt. Der Nostalgie Willen wünschte ich mir ein Mammutblatt herbei, einfach nur um genauso das gleiche Bild zu fotografieren. Leider fand ich kein Blatt in der Nähe... *zwinker*


Der Melonen-Hof

Weinreben und Feigenbäume mit anderen exotischen Pflanzen
Leider durften wir nicht in die Gewächshäuser hineingehen. Wir waren mittlerweile schlimm durchnässt. Vermutlich würden die Besuchermassen die Pflanzen beim Vorbeigehen berühren und auf Dauer beschädigen. Allerdings wäre ich bei dem Regen um jede trockene Pause äußerst dankbar gewesen.


The Sundial Garden, der Sonnenuhr-Garten

Der Garten wurde unter anderem auch wegen seiner Baumfarne und urigen Atmosphäre berühmt. Davon gab es tatsächlich genug. Der Regen half dabei ungemein, rann der Regen an den Blättern und Stämmen herunter und verwandelte den Garten in eine riesige Tropsteinhöhle. Üppige Baumfarne sah man überall, die gerade jetzt im Mai frische Wedel entrollen. Da Dicksonia antarctica relativ langsam wachsend ist, sind diese Baumfarne schon älteren Datums. Ob Tim Smit diese, genauso wie die Rhododendron, in der Wildnis gefunden hat oder immens viel Geld investierte, weiß ich nicht. Auf jeden Fall macht sich der Garten das wärmere cornische Klima zunutze.

üppige Baumfarne, Dicksonia antarctica, jeden Alters

Die Diamantenhöhle
Mein Hautpinteresse lag allerdings im Dschungel, hatte ich davon viele Geschichten gehört. Der Dschungel befindet sich etwas abseits in einem kleinen Tal. Hindurch führt ein kleiner Bach der hier und da zu Teichen angestaut ist. Große Brücken kreuzen die Teiche, die mit Bambus, Bananenstauden, Baumfarnen und anderen großblättrigen Pflanzen überwuchert sind. In der Tat gleicht dies alles einer Wildnis und macht dem Namen "Dschungel" alle Ehre. Leider hat es auf mich aber auch wieder den Eindruck des "Vergessens" erweckt. Denn wie es aussah, wurde nicht viel Pflege in diesen Teil investiert. Sei es aus Personalmangel oder um den Dschungeleffekt aufrecht zu erhalten, bleibt ein Rätsel.

Kalopanax sp.

Im Dschungel

Eine wundervolle Rinde, ich muss unbedingt herausfinden welcher Baum dies ist

Am Ende gab meine Kamera leider den Geist auf. Natürlich war Wasser in das Gehäuse geraten. Obwohl aller Vorsicht und ständiges trocknen mit einem Taschentuch (die Linse musste vor jedem Foto mehrmals von Regentropfen befreit werden), hatte ich die Kamera in strömendem Regen benutzt. Wie dumm von mir... Jeder weiß, dass sich Wasser nicht mit elektronischen Geräten verträgt.

Wir sind dann noch weiter über das Heligan Gelände gelaufen, das recht weitläufig ist. Immerhin wollten wir noch den berühmten Riesenkopf und die Mudmaid im Gras liegen sehen. Am Ende blieb uns aber nichts anderes übrig als eine Postkarte zu kaufen, da ja meine Kamera nicht mehr funktionierte.

Nun da ich den Garten Lost Heligan gesehen habe, muss ich doch zugeben, dass ich enttäuscht gewesen bin. Klar, die urigen Rhododendron und Baumfarne haben durchaus ihren Charme, allerdings konnte ich botanisch kaum Besonderes sehen. Ein paar Bananen hier, ein paar Palmen dort; all diese Pflanzen sind für südenglische Verhältnisse mehr oder weniger Standard und sind in vielen Gärten zu sehen. Die Anordnung, Bepflanzung und Gestaltung der Beete war leider auch nicht überragend. Insgesamt fand ich den Zustand der Beete schlimm und sich selbst überlassen. Bis auf den  sehr sauberen Gemüsegarten gab es kein Beet, das nicht mit Unkraut überwuchert gewesen war. Angeblich sind dort 25 Gärtner angestellt, was mich zu dem Schluss führt, dass das Team schlecht organisiert ist. Da sah Abbotsbury Subtropical Gardens mit den gleichen Pflanzen ganz anders aus; und obwohl der Eindruck eines üppigen, exotischen Dschungel erweckt wird, ist dort nichts sich selbst überlassen. So gesehen scheint Lost Heligan allein von der Geschichte der Vergangenheit zu leben.

Die Überlegung irgendwann einmal in Lost Heligan als Gärtner arbeiten zu wollen, führte zu einer schnellen Antwort. Der Wunsch blieb aus.

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