Samstag, 22. Juni 2013

Projektnotiz: Architectural Plants Nursery, Juni 2013

Notizen zum Besuch von "Architectural Plants", teil des subtropischen Projekts
22nd June 2013


Ort: Architectural Plants Nursery, Nuthurst St, Horsham, West Sussex RH13 6LH, UK

 "We only sell, what survives outdoors"


Eingangsbereich mit Parkplatz

Klima:


Temperatur:
ähnlich zu Gatwick, aber generell 2° kälter
"frost pocket", d.h. die Kälte (Frost) sitzt in einer Mulde fest, welches diesen Ort kälter als die Umgebung macht.
In den letzten 20 Jahren waren die Winter relativ mild, wobei die letzten 3 Winter ungewöhnlich kalt ausfielen.

Wind:
starke Winde rollen den Hügel hinunter in die Baumschule

Boden:
Topfkulturen

Sonstiges:
Die Gewächshäuser sind generell nicht geheizt, allerdings wird es frostfrei gehalten (Temperaturen unter 5° schaltet automatisch die Heizung ein)
Die Vermehrungseinheit wird geheizt.


Pflanzen:


Musa basjoo: Blätter werden geschnitten, sobald der erste Frostschaden sichtbar wird. Die Bananenstämme werden dann mit Tonröhren umhüllt und mit Stroh ausgestopft. Rundherum Strohballen aufgestapelt (weswegen viel Platz zwischen jeder Bananenstaude gelassen wurde, anderthalb Meter auseinander gepflanzt) und das Ganze mit einer beschichteten Sperrholzplatte abgedeckt, um den Regen fern zu halten. Falls die Bananen faulen werden sie im Frühjahr runtergeschnitten, denn zumeist treiben sie im Sommer von der Basis wieder aus.
Q: Warum haben sie nicht die Bananen enger zusammen gepflanzt um Platz und Stroh zu sparen? Würde auch besser aussehen.

Musa basjoo Gruppe im Schaugarten

Dicksonia sp: wird kaum geschützt. In die Krone wird Vlies gestopft, um die Mittelknospe zu schützen. Ansonsten schützt nur eine natürliche Schicht gefallener Laubblätter der umstehenden Eichen etc.

Echium pininana: kein Schutz, wird als einjährige Pflanze behandelt und somit jedes Jahr mit frischen Sämlingen ersetzt. Allerdings werden die alten Pflanzen belassen, da sie manchmal doch wieder austreiben oder sich selbst versäen. Etwa vor 4 Jahren gab es einen richtig milden Winter, wo die meisten Echiums überlebten. Ansonsten wird jedes Jahr im Oktober der Samen gesammelt, um im folgenden Frühjahr zu keimen und Verluste zu ersetzen. 

Trachycarpus fortunei mit nacktem Stamm
Trachycarpus sp: Sie glauben, dass T. wagneriana frosthärter ist, langsamer wachsend und mit einem ordentlicheren Erscheinungsbild, weil die Palmwedel steifer sind und daher im Wind nicht zerfleddert werden. Die gepellten Stämme von T. fortunei beeinflusst scheinbar nicht die Frosthärte. Alle Trachycarpus überwintern ungeschützt ohne Probleme. 



Tetrapanax papyrifera: wird nicht geschützt


Strelitzia sp: war nicht erfolgreich, überlebten selbst milde Winter nicht im Außenbereich. Daher werden keine weiteren Strelitzien mehr angeboten. 


Unter der Schattierung im Außenbereich

Das Außengelände: Pflanzen sind attraktiv arrangiert


Das komplette Pflanzenangebot findet man in deren Online-Katalog

Allgemein mehr Informationen gibt es auf der Webseite Architectural Plants


geheizte Vermehrungseinheit

geheizte Vermehrungseinheit

Samstag, 8. Juni 2013

Sandstone Trail, Peckerforton Hills, Cheshire

Am Anschluss an den gestrigen Wandertag durch den Monks Dale, entlang des kleinen Flusses und saftig grünen Auen, ging es heute östlich vom Peak District zu den Cheshire Plains. Der "Sandstone Trail" (zu deutsch: Sandsteinweg) ist ein 55km (oder 34 Meilen) langer Wanderpfad, der von Norden nach Süden entlang der Sandsteingrate führt.

Wir begannen unsere Wanderung am Fuße von Bulkeley Hill, welcher den südlichen Zipfel der Peckerforton Hills bildet. Von hier ging es zunächst durch lichten Buchenwald bergauf. Der gesamte Hügel ist bewaldet und spendete uns angenehmen Schatten an diesem warmen Sommertag.

lichter Buchenwald, Bulkeley Hill
Fantastische Wurzelgebilde
Unter den Waldbäumen fanden wir so manches Exemplar, das sich mühsam an den bröckelnden Sandstein klammerte. Fantastische Wurzelgebilde ragten aus Gesteinslücken heraus, zum Teil ausgewaschen über Jahre, erscheint es fast unmöglich auf diese Weise dem Boden Wasser und Nährstoffe zu entringen. Dennoch haben sich diese Bäume hervorragend angepasst und Wege gefunden hier zu überleben.


Eine gute Inspiration für Bonsai - denn nicht anders ist die Kunst der Bonsaigestaltung entstanden: durch Nachahmung der Natur.

Im Wald fanden wir außerdem sehr alte Bäume, mit knorriger Erscheinung und urigem Umfang. Immer wieder finde ich es faszinierend, wenn man bedenkt wieviel diese Bäume "gesehen" haben. 200 Jahre oder gar 500 Jahre erscheinen für uns Menschen eine lange Zeit. In der Zeit der Bäume passiert in 500 Jahren kaum etwas, dagegegen die historische Entwicklung der Menschheit voller Geschichten ist. Wie viele Kriege solche Bäume "gesehen" und überlebt haben, Veränderungen der Landschaft durch Landwirtschaft und Bebauung oder Industrialisierung.

Wie alt dieser Baum wohl ist?

Alter Baum mit schönem Wurzelansatz (Nebari).

Und wie alt ist dieser?

Natürliche Totholzbereiche
an einer Esskastanie, Castanea sativa
- ein wunderbares Studienobjekt
für die Shari- und Jin-Gestaltung
in Bonsai

Die Cheshire Plains ist ein relativ flaches Tiefland, welches fast ausschließlich in der Grafschaft Cheshire im Nordwesten Englands liegt. Begrenzt im Westen von den Hügeln Nord-Wales und dem Peak District im Osten umfasst die Ebene zwei Bereiche mit unterschiedlichen Charakteren. Im Westen verläuft die Hügelkette der Mid Cheshire Ridge, während der größere Teil der Plains sich östlich erstreckt.

Die Mid Cheshire Ridge ist ein Bereich niedriger Sandstein Hügel, die sich von Norden nach Süden erstrecken. Der Grat ist unterbrochen und formt so zwei Hügelblöcke im Norden und im Süden mit der sogenannten "Beeston Gap" dazwischen. Die Formation "Peckforton Hills" liegt im Süden, während die größere Gruppe im Norden scheinbar keinen gemeinsamen Namen trägt.

Die Cheshire-Ebene von den Peckerforton Hügeln aus gesehen.

Die Cheshire-Ebene im Osten.
Von Bulkeley Hill also wanderten wir entlang der Hügelkämme der Peckerforton Hills. Von etwa 200m üNN aus hatten wir hervorragende Aussichten auf die Cheshire Plains unter uns. Dank der klaren Sicht konnte man bis weit in den Horizont blicken. 

Die Ebene wird auch Cheshire-Becken genannt. Es wird davon ausgegangen, dass es seine jetzige Form in der letzten Eiszeit vor etwa 20.000 Jahren bekam. Beim Schmelzen des Eises verblieben die Sedimente und bildeten so vor ca. 15.000 Jahren eine dicke Schicht Geschiebemergels, welches sich als umfangreiche Landstriche aus glazio-fluviale Sande und Kiese zeigt.

Heute besteht die landwirtschaftliche Nutzung der Cheshire Plains zumeist aus der Milchwirtschaft, welches der Landschaft mit den heckenumschlossenen Feldern das typische Aussehen verleiht. Die Seiten des Hügels selbst wurden zunehmend abschüssiger und die steilen Böschungen erinnerten bald an Schluchten. Die Aussichten wurden dramatischer.

dicht begrünter Sandstein an dramatischen Böschungen der Peckerforton Hills

Der Sandsteinweg machte seinem Namen alle Ehre, war der Wanderweg durchweg sandig. Dies gab dem Ganzen ein richtiges Urlaubsgefühl, wo ja auch die Sonne so herrlich schien heute; allein das Meeresrauschen fehlte. Der Sandstein in dieser Gegend war vorwiegend rötlich mit beigen Tönungen. Oft gab es einige Stellen wo der Sand lose und nicht festgetreten war. An steileren Passagen erschwerte der Sand somit etwaige Klettereien abseits des Weges, da man keinen richtigen Halt bekam. Der Fuß rutschte einfach auf dem trockenen Sand weg.

Wir wollten ein wenig mehr entdecken und verließen den Wanderpfad. Nach ein wenig abenteuerlichem Klettern fanden wir eine große Sandsteinhöhle, die angeblich in der Eisenzeit tasächlich Menschen als Behausung gedient hatte. Der Eingang war recht versteckt, über uns meterhoher Sandstein in vom Wind und Regen geschliffene Wellen.


meterhoher Sandstein mit wunderschöner Maserung und Form

Höhle der Eisenzeit-Menschen

Eingang der Höhle

Ob tatsächlich Menschen einst in dieser Höhle gelebt hatten, wäre durchaus gut denkbar. Die Lage wäre perfekt für eine Behausung. Geschützt von den Elementen durch die steilen Felswände und der dichten Bewaldung wäre es ideal. Aber womöglich sah die Landschaft damals anders aus. Vielleicht war die Felswand über dem Eingang ein Überhang gewesen und die Bäume direkt vor der Höhle nicht existent. Wer weiß...

Nach diesem kleinen Abstecher gingen wir zurück zum Sandsteinweg, verließen ihn aber alsbald wieder um einen Rundweg durch die Felder zu finden. Schließlich verläuft der Sandstone Trail nur in Nord-Süd-Richtung.

Unglaubllich, wer auf solch eine dumme Idee kam, diese Kiefer als Zaunpfahl zu benutzen.
Nach etwa fünf Stunden gelangten wir durch die Felder zurück zum Bulkeley Hill. Es war ein herrlicher Wandertag, nicht ganz so anstrengend wie der gestrige, dennoch sehr abwechslungsreich in einer wunderschönen, englischen Hügellandschaft. Man kann hier stundenlang Laufen, ohne dass es je langweilig wird. Zu schade, dass wir morgen wieder zurück nach Hause fahren müssen. Es gibt hier in Cheshire und dem Peakt District so vieles zu entdecken. Wer also Spaß auf einen Wanderurlaub hat, dem kann ich diese Gegend Englands nur wärmstens empfehlen!

charmant, Veronica chamaedrys

Zurück zum Bulkely Hill, wo unser Auto parkte.

Panorama Aussicht, Peckerforton Hills

Freitag, 7. Juni 2013

Monks Dale, Peak District

Zu Besuch bei Freunden in der Nähe von Manchester planten wir durch den landschaftlich wunderschönen Peak District Nationalpark zu wandern. Durchzogen von vielen Tälern und Felshängen wählten wir Monks Dale als unsere Route. Dies erschien als abwechslungsreichste, atmosphärischste und spannendste Strecke, so wurde Monks Dale von unserem Freund und Wanderführer empfohlen.

Der Peak District liegt im Norden Englands in der Nähe städtischer Ballungsräume wie Manchester, Huddersfield, Leeds und Stoke-on-Trent. Er bildet das südliche Ende des Mittelgebirges Englands, den Pennines. Teile des Peak Districts liegen auch in den Grafschaften Cheshire, Staffordshire sowie South und West Yorkshire. Im Jahre 1951 wurde der Peak District der allererste Nationalpark Englands.

Geologisch betrachtet ist der Peak District in "Dark Peak" und "White Peak" aufgeteilt. Der sogenannte "Dark Peak" liegt im Norden und ist von Mooren und Basaltgestein geprägt, während "White Peak" im Süden von Kalkstein dominiert wird. Große Teile des Gebietes liegen über 300m hoch, der höchste Punkt ist der Gipfel des "Kinder Scout" mit 636m.

Orchis masula
Gleich zu Beginn wurden wir am Eingang zum Monks Dale von vielen wilden Orchideen willkommen geheißen. Die sanften Hänge waren übersäht mit den pink blühenden Orchis mascula. Ich konnte mich gar nicht satt sehen, denn ich hatte noch nie so viele zusammen gesehen. Von dort ging es buchstäblich über Stock und Stein. Der Trampelpfad führte uns durch ein kleines Tal (engl: dale), welches mit Moos und wilden Kräutern in saftigem Grün überwuchert war. Haselsträucher boten sanften Schatten an diesem herrlichen Sommertag. Der Grund war grob steinig und war damit sehr abwechslungsreich, gleichwohl nur mit robustem Schuhwerk und gesunden Beinen zu bewältigen.


Monks Dale, Peak District
Ab und an wehte ein starker Knoblauchgeruch herbei, denn Allium ursinum, der Bärlauch war in Blüte. Sehr lecker sind die Blätter im Salat oder zu einem Pesto verarbeitet für Pasta etc. Ich liebe Knoblauch und Bärlauch hat einen wundervollen milden Geschmack, im Gegensatz zu gewöhnlichem Knoblauch. Obgleich der Geruch genauso stark ist. Auf jeden Fall sollten jegliche Pflanzenteile aber vor der Nutzung gewaschen werden.

Ebenso waren die Hänge überdeckt mit der englischen Hasenglocke, Hyacinthoides non-scripta. Dies ist eine sehr typisch-englische Landschaftansicht, die man zu dieser Jahreszeit überall zu sehen bekommt. Zumeist stehen Haselsträucher oder lichte Eschenwälder in einem tief-blauem Teppich der Hasenglocken.

Bärlauch, Allium ursinum
Das Mönchstal (engl: Monks Dale) führte durch einen Eschenhain. Beim Betreten gab es ein Informationsschild, dass dieses Gebiet unter Beobachtung steht. Der Verdacht bestand, dass dort Eschen von der garstigen Pilzenfektion Chalara fraxinea befallen waren. (siehe dazu auch Blogeintrag: "Großes Eschensterben") Leider waren die meisten Triebe der umstehenden Eschen hoch über unseren Köpfen, hätte ich doch gerne potentielle Symptome genauer betrachtet. Dennoch konnte man auf den ersten Blick sehen, dass so einige Eschen hier nicht ganz so gesund und stark waren wie benachbarte Bäume. Einige waren quasi im Wuchs stecken geblieben so schien es, die Knospen halb geöffnet, ohne die Blätter tatsächlich zu entfalten, während alle anderen Eschen in vollem Wachstum standen.

Eschensterben?
Hinaus aus dem Tal ging es weiter durch eine herrliche Flur, so dass ich die ernüchternden Eschen hinter mir lassen konnte. Es war schon erschreckend deren Zustand zu sehen. Bisher hatte ich nur von der Krankheit gehört und gelesen. Aber das tolle Sommerwetter machte alles wieder gut; blauer Himmel bei wunderbarem Sonnenschein. Falls irgendjemand noch glaubt in England regnet es andauernd, dem kann ich aus vollem Herzen das Gegenteil beweisen. Zumindest seit ich ausgewandert bin, hatten wir oftmals besseres Wetter als daheim in Deutschland.

Eine wunderschöne Flur bei schönem Sommerwetter



Nach etwa drei Stunden hatten wir ungefähr die Hälfte unseres Weges geschafft. Wir rasteten unter einem Baum und genossen den Frieden um uns herum. Wir hatten auf dem Weg nur zwei Leute getroffen und nicht das kleinste Stückchen Müll bisher entdeckt. Sehr befriedigend. So konnten wir total entspannt die Seele baumeln lassen. Wieder einmal wünschte ich mir einen Hund zu haben, war dieser Wanderausflug doch geradezu ein Paradies für Hundebesitzer. Leider dürfen wir in unserer Wohnung keine Haustiere halten, obendrein wäre es unfair dem Hund gegenüber die meiste Zeit des Tages zehn Stunden eingesperrt zu verbringen. Ich hoffe irgendwann irgendwo zu arbeiten, wo ich einen Hund im Garten auf der Arbeit dabei haben darf.

Nach einer kleinen Stärkung machten wir uns also auf die zweite Etappe zu bewältigen. Weiter ging es am Bach entlang, der allmählich breiter und wilder wurde, bis es ein kleiner Fluss geworden war. Gegen die Strömung gingen wir durch weitere Täler und Mündungen, umgeben von dieser wunderschönen Landschaft.


Ein Viadukt aus römischer Zeit.
Ein Viadukt aus römischer Zeit war in der Vergangenheit auch als Bahntrasse genutzt worden. Nun aber stillgelegt ist es jetzt teil des Wanderweges. Wenn man denn die steilen Treppen bewältigt. Wir trafen auf immer mehr Abzweige, die steil hinaufführten. Immer wieder öffnete sich das Tal zwischendurch zu einer weiten Flur und bot schöne Aussichten auf die Landschaft.



Die Höhenunterschiede, die wir zu überwinden hatten, wurden jedoch zunehmend größer. Wo zunächst sanfte Hügel gewesen waren, änderte sich die Landschaft zu immer steileren Hängen bishin zu eindrucksvollen Schluchten. Wir folgten weiterhin flussaufwärts und ließen das Viadukt zunächst hinter uns.

Dann nach einer steilen Wegbiegung tat sich plötzlich völlig unerwartet eine dramatische Klamm auf. Der Fluss war still, dunkel und tief. Die Luft feucht und die Klippen über uns viele Meter hoch. Ich bekam ein wenig Gänsehaut, welch eine fantastische Atmosphäre!

Gänsehaut

Meiner einer, um der Steilwand zu ihrer wahren Größe zu verhelfen.
Insgesamt wanderten wir um die sechs Stunden auf und ab durch dieses teilweise wilde, aber wunderschöne Tal. Zur Belohnung für die abenteuerliche und anstrengende Treckingtour gab es diese herrliche Aussicht, bevor es zurück ging.


Montag, 3. Juni 2013

Dunham Massey, National Trust

Im Norden Englands, am Rande von Manchester, liegt Dunham Massey. Damals Wohnsitz des letzten Grafen von Stamford, gehört das 120ha große Anwesen um Dunham Park mit dem Herrenhaus aus georgischer Zeit (1714 - 1830) seit 1976 nun dem National Trust.

Dunham Massey, National Trust

Dunham Massey ist sehr einfach zu finden, da es nur die große Hauptstrasse A56 als Anbindung gibt. Von dort folgt man der braunen Beschilderung entlang einer abzweiglosen Straße. Als National Trust Mitglied hat man natürlich freien Zugang zu dem Herrenhaus wie auch den 12ha großen Garten. Der Rest des Anwesens ist ein Wildpark, der für alle umsonst und frei zugänglich ist. Allerdings fällt für Nicht-Mitglieder eine kleine Parkgebühr an. Möchte man den Garten und/oder das Haus als Nicht-Mitglied besuchen, kostet der Eintritt für beides  £10,35 Pfund. Alternativ zahlt man £7,20, wenn man nur den Garten sehen möchte.

Innenhof
Auf dem Weg zum Haupteingang

chinesische Enten, wie auch jede Menge andere Vögel, können rund um Dunham Massey bewundert und gefüttert werden.

Das Ticketsystem erschien uns als National Trust Mitglieder etwas umständlich. Denn anstatt wie sonst üblich einfach mit der Mitgliedskarte in den Garten gehen zu können, muss man sich dennoch an der Kasse anstellen, um eine offizielle Eintrittskarte zu bekommen. Auch wenn diese dann kostenlos ist, bedeutet es womögliches Warten in der Schlange oder hin und her Gelaufe, weil man davon nichts wusste und direkt zum Garten hin gegangen war.

Übersichtskarte Dunham Massey, National Trust (überarbeitet)

Im Garten angekommen, wird man am Eingangstor sogleich von ehrenamtlichen Helfern willkommen geheißen und mit einer großen Faltkarte des Gartens ausgestattet. Da der Garten in Dunham Massey mit dem größten Wintergarten in ganz England wirbt und stolz Roy Lancasters Einfluss preist, wollte ich jenen Teil zuerst sehen. Immerhin haben wir im Hillier Garten auch ein herrliches Wintergarten-Exemplar mit erlesenen botanischen Besonderheiten.

Zuvor schon hatte ich von diesem Wintergarten gehört. Nach ausführlicher Planung startete das Projekt 2007 um mehr Besucher während der Winterzeit anzulocken. Damian Harris als Head Gardener leitete die Gestaltung und Durchführung des neuen Wintergartens. Roy Lancaster stand beratend zur Seite und gab botanische Empfehlungen. Drei Jahre später war der Wintergarten schließlich fertig gestellt und bereit offiziell eröffnet zu werden.



Carol Klein hatte daraufhin in der BBC Serie Gardener's World kurz darüber berichtet. In dem drei-minütigen Clip konnte man allerdings wenig vom Wintergarten selbst erkennen, denn der BBC fokussierte auf pflanzliche Details, statt einen Überblick zu geben. Warum?

Nun hier vor Ort fand ich die Antwort. Der Wintergarten ähnelte eher einer Waldpflanzung für's ganze Jahr. Abgesehen von den weißstämmigen Birkenhainen von Betula utilis 'Doorenbos', der eine mit Mehrfachstämmen, der andere mit Einzelstämmen bepflanzt, glich der Rest einfach einem Waldgarten. Durchaus gab es hier und dort einige Pflanzen, die im Winter dekorativer erscheinen als im Sommer, so typische Exemplare wie Ophiopgon planiscapus 'Nigresecens', Hartriegel Cornus alba 'Sibirica', Prunus rufa, Acer griseum oder Helleborus Hybriden. Da gab es nur ein oder zwei Zaubernüsse, spärliche Sarcococca sp. und nur ein kleines Exemplar von Rubus cockburnianus, welches zur Winterzeit purpurne Rinde zeigt. Weder sah ich winterblühende und reich duftende Daphne bholua oder Viburnum sp., noch sah ich Mahonia-Arten oder andere immergrüne Pflanzen, die im Winter attraktiv erscheinen.

Der Wintergarten @ Dunham Massey
Noch dünne Bepflanzung
Trillium kurabayashii

Lamium orvala
Im Ganzen erschien der Wintergarten auf mich eher wenig inspirierend. Da hatte ich einen größeren Fokus auf die Winterjahreszeit erwartet, um den Namen 'Wintergarten' rechtfertigen zu können. Auch waren die Pflanzengruppen sehr spärlich gepflanzt und erschienen zum Teil karg. Obwohl noch ein junger Garten von erst drei bis fünf Jahren, kann dennoch eine bessere Bodenbedeckung erreicht werden. Somit ist es wohl der größte Wintergarten in England, aber wohl nicht der Schönste.

Wenn man also den 'Winter' fallen lässt, war es ansonsten aber durchaus ein schöner WinterGarten. Unter alten Eichen und Buchen gepflanzt, standen die vielen Rhododendron in voller Blüte. UnzähligeTrillium-Arten blüten, ein Meer aus Cardiocrinum giganteum stand zwischen Hydrangea macrophylla und natürlich waren die für England typischen Bluebells (die Hasenglocke, Hyacinthoides sp.) am Blühen. Interessanterweise war die Pflanzenwelt hier im Norden Englands wesentlich weiter zurück als bei uns im Süden, wo die Bluebells bereits fertig geblüht hatten und auch die Ebereschen schon verblüht waren. In Dunham Massey hatte Sorbus aucuparia gerade eben erst angefangen.

Rosa 'Dunham Massey' von Peter Beales
Ein weiteres Highlight war der brandneue Rosengarten. Dieser wurde erst dieses Jahr fertig gestellt und soll in Kürze feierlich eröffnet werden. Rachel de Thame, eine Carol Klein Kollegin des BBC, wird in zwei Tagen am 5. Juni 2013 mit dem National Trust dieses Ereignis zelebrieren. Peter Beales, einer der berühmtesten Rosenzüchter Englands, hatte zu Ehren Dunhams eine brandneue Sorte nach Dunham Massey benannt. Diese Rose hatte ich nur wenige Tage zuvor schon auf der Chelsea Flower Show gesehen, wo sie offiziell dem Markt präsentiert wurde. Im Rosengarten selber konnte man bis auf das symmetrische Layout noch nicht viel sehen, denn keine einzige Rose blühte. Allerdings sahen alle Rosen kräftig und gesund aus und hatten viele Knospen, die nur darauf warteten sich zu öffnen. Schade, so würde die Eröfnungsfeier wohl am Mittwoch ohne Blüten auskommen müssen.

Neuer Rosengarten


Ansonsten besteht der 12ha große Garten aus einem Sumpfgarten entlang des hindurch fließenden Baches, umrandet von alten Eichen, Buchen und Rhododendron, welche nun mit jüngeren Gehölzen wie Cercidiphyllum japonicum oder Viburnum plicatum ergänzt wurden. Der Sumpfgarten ist hauptsächlich mit ansehnlichen Gruppen großblättriger Stauden bepflanzt. Hier findet man die üblichen Vertreter wie Rodgersia sp., Darmera peltata, Hosta sp., Primula beesiana, Ligularia sp., Kirengeshoma palmata usw.

Rheum sp. und Rodgersia sp. im Sumpfgarten

Hosta sieboldiana mit Blick in den Wald, dahinter liegt der Wintergarten

Meconopsis und Persicaria sp. entlang des Bachlaufes

Auf der anderen Seite des Baches befinden sich weitere Staudenbeete, die mit Iris sp. und Zwiebelgewächsen die Saison verlängern. Alles in allem fügen sich die Beete stimmig unter den existierenden Baumbestand ein. Dahinter lag die Orangerie, welche früher wohl einmal ein Glasdach besaß, seit Jahrzehnten aber mit einem normalen Dachfirst und Schiefer versehen ist. Drinnen gab es eine Hand voll Kübelpflanzen, darunter zwei Orangenbäumchen, Kletterpflanzen und interessanterweise Wollemia nobilis. Dabei hätte ich gedacht, dass dieser, erst kürzlich wieder entdeckte, Nadelbaum die kälteren Winter um Manchester auch draußen überleben würde. Immerhin sind unsere Wollemia nobilis im Sir Harold Hillier Arboretum bei -15°C ohne Schaden durch den Winter gekommen. Womöglich wollen die Gärtner hier auf Nummer sicher gehen, schließlich ist jedes Exemplar der Wollemia kostbar. Trotzdem schade, dass dieser herrliche Baum sich nicht frei entfalten darf.

Die Orangerie

Der Besuch des Garten in Dunham Massey war insgesamt äußerst angenehm. Die Anlagen und Beete waren gepflegt und abwechslungsreich gestaltet. Aufgrund des kühleren Klimas im Vergleich zu Südengland sind die Möglichkeiten in botanischer Hinsicht natürlich begrenzt, dennoch wurde hier das Potential gut ausgeschöpft. Das Herrenhaus selber habe ich mir nicht angesehen. Dazu bin ich einfach zu botanisch orientiert. Ich habe mir aber sagen lassen, dass das Haus von innen herrlich restauriert ist und in sehr gutem Zustand. Die Stewardessen im Haus erzählen außerdem authentische und spannende Geschichten aus vergangenen Zeiten. Allerdings reicht, wie so oft, ein einziger Tag nicht um alles zu erkunden. Neben dem Garten und dem Herrenhaus sind über das ganze Anwesen verstreut weitere Sehenswürdigkeiten. Im Wildpark kann man beispielsweise kleine Teiche mit Seerosen finden, Obelisken und Statuen, oder eine alte Mühle.

Ein Besuch in Dunham Massey ist auf jeden Fall sehr zu empfehlen!


Teichrosen im Wildpark

(fast) zahme Rehe wohin man sieht


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