Montag, 3. Juni 2013

Dunham Massey, National Trust

Im Norden Englands, am Rande von Manchester, liegt Dunham Massey. Damals Wohnsitz des letzten Grafen von Stamford, gehört das 120ha große Anwesen um Dunham Park mit dem Herrenhaus aus georgischer Zeit (1714 - 1830) seit 1976 nun dem National Trust.

Dunham Massey, National Trust

Dunham Massey ist sehr einfach zu finden, da es nur die große Hauptstrasse A56 als Anbindung gibt. Von dort folgt man der braunen Beschilderung entlang einer abzweiglosen Straße. Als National Trust Mitglied hat man natürlich freien Zugang zu dem Herrenhaus wie auch den 12ha großen Garten. Der Rest des Anwesens ist ein Wildpark, der für alle umsonst und frei zugänglich ist. Allerdings fällt für Nicht-Mitglieder eine kleine Parkgebühr an. Möchte man den Garten und/oder das Haus als Nicht-Mitglied besuchen, kostet der Eintritt für beides  £10,35 Pfund. Alternativ zahlt man £7,20, wenn man nur den Garten sehen möchte.

Innenhof
Auf dem Weg zum Haupteingang

chinesische Enten, wie auch jede Menge andere Vögel, können rund um Dunham Massey bewundert und gefüttert werden.

Das Ticketsystem erschien uns als National Trust Mitglieder etwas umständlich. Denn anstatt wie sonst üblich einfach mit der Mitgliedskarte in den Garten gehen zu können, muss man sich dennoch an der Kasse anstellen, um eine offizielle Eintrittskarte zu bekommen. Auch wenn diese dann kostenlos ist, bedeutet es womögliches Warten in der Schlange oder hin und her Gelaufe, weil man davon nichts wusste und direkt zum Garten hin gegangen war.

Übersichtskarte Dunham Massey, National Trust (überarbeitet)

Im Garten angekommen, wird man am Eingangstor sogleich von ehrenamtlichen Helfern willkommen geheißen und mit einer großen Faltkarte des Gartens ausgestattet. Da der Garten in Dunham Massey mit dem größten Wintergarten in ganz England wirbt und stolz Roy Lancasters Einfluss preist, wollte ich jenen Teil zuerst sehen. Immerhin haben wir im Hillier Garten auch ein herrliches Wintergarten-Exemplar mit erlesenen botanischen Besonderheiten.

Zuvor schon hatte ich von diesem Wintergarten gehört. Nach ausführlicher Planung startete das Projekt 2007 um mehr Besucher während der Winterzeit anzulocken. Damian Harris als Head Gardener leitete die Gestaltung und Durchführung des neuen Wintergartens. Roy Lancaster stand beratend zur Seite und gab botanische Empfehlungen. Drei Jahre später war der Wintergarten schließlich fertig gestellt und bereit offiziell eröffnet zu werden.



Carol Klein hatte daraufhin in der BBC Serie Gardener's World kurz darüber berichtet. In dem drei-minütigen Clip konnte man allerdings wenig vom Wintergarten selbst erkennen, denn der BBC fokussierte auf pflanzliche Details, statt einen Überblick zu geben. Warum?

Nun hier vor Ort fand ich die Antwort. Der Wintergarten ähnelte eher einer Waldpflanzung für's ganze Jahr. Abgesehen von den weißstämmigen Birkenhainen von Betula utilis 'Doorenbos', der eine mit Mehrfachstämmen, der andere mit Einzelstämmen bepflanzt, glich der Rest einfach einem Waldgarten. Durchaus gab es hier und dort einige Pflanzen, die im Winter dekorativer erscheinen als im Sommer, so typische Exemplare wie Ophiopgon planiscapus 'Nigresecens', Hartriegel Cornus alba 'Sibirica', Prunus rufa, Acer griseum oder Helleborus Hybriden. Da gab es nur ein oder zwei Zaubernüsse, spärliche Sarcococca sp. und nur ein kleines Exemplar von Rubus cockburnianus, welches zur Winterzeit purpurne Rinde zeigt. Weder sah ich winterblühende und reich duftende Daphne bholua oder Viburnum sp., noch sah ich Mahonia-Arten oder andere immergrüne Pflanzen, die im Winter attraktiv erscheinen.

Der Wintergarten @ Dunham Massey
Noch dünne Bepflanzung
Trillium kurabayashii

Lamium orvala
Im Ganzen erschien der Wintergarten auf mich eher wenig inspirierend. Da hatte ich einen größeren Fokus auf die Winterjahreszeit erwartet, um den Namen 'Wintergarten' rechtfertigen zu können. Auch waren die Pflanzengruppen sehr spärlich gepflanzt und erschienen zum Teil karg. Obwohl noch ein junger Garten von erst drei bis fünf Jahren, kann dennoch eine bessere Bodenbedeckung erreicht werden. Somit ist es wohl der größte Wintergarten in England, aber wohl nicht der Schönste.

Wenn man also den 'Winter' fallen lässt, war es ansonsten aber durchaus ein schöner WinterGarten. Unter alten Eichen und Buchen gepflanzt, standen die vielen Rhododendron in voller Blüte. UnzähligeTrillium-Arten blüten, ein Meer aus Cardiocrinum giganteum stand zwischen Hydrangea macrophylla und natürlich waren die für England typischen Bluebells (die Hasenglocke, Hyacinthoides sp.) am Blühen. Interessanterweise war die Pflanzenwelt hier im Norden Englands wesentlich weiter zurück als bei uns im Süden, wo die Bluebells bereits fertig geblüht hatten und auch die Ebereschen schon verblüht waren. In Dunham Massey hatte Sorbus aucuparia gerade eben erst angefangen.

Rosa 'Dunham Massey' von Peter Beales
Ein weiteres Highlight war der brandneue Rosengarten. Dieser wurde erst dieses Jahr fertig gestellt und soll in Kürze feierlich eröffnet werden. Rachel de Thame, eine Carol Klein Kollegin des BBC, wird in zwei Tagen am 5. Juni 2013 mit dem National Trust dieses Ereignis zelebrieren. Peter Beales, einer der berühmtesten Rosenzüchter Englands, hatte zu Ehren Dunhams eine brandneue Sorte nach Dunham Massey benannt. Diese Rose hatte ich nur wenige Tage zuvor schon auf der Chelsea Flower Show gesehen, wo sie offiziell dem Markt präsentiert wurde. Im Rosengarten selber konnte man bis auf das symmetrische Layout noch nicht viel sehen, denn keine einzige Rose blühte. Allerdings sahen alle Rosen kräftig und gesund aus und hatten viele Knospen, die nur darauf warteten sich zu öffnen. Schade, so würde die Eröfnungsfeier wohl am Mittwoch ohne Blüten auskommen müssen.

Neuer Rosengarten


Ansonsten besteht der 12ha große Garten aus einem Sumpfgarten entlang des hindurch fließenden Baches, umrandet von alten Eichen, Buchen und Rhododendron, welche nun mit jüngeren Gehölzen wie Cercidiphyllum japonicum oder Viburnum plicatum ergänzt wurden. Der Sumpfgarten ist hauptsächlich mit ansehnlichen Gruppen großblättriger Stauden bepflanzt. Hier findet man die üblichen Vertreter wie Rodgersia sp., Darmera peltata, Hosta sp., Primula beesiana, Ligularia sp., Kirengeshoma palmata usw.

Rheum sp. und Rodgersia sp. im Sumpfgarten

Hosta sieboldiana mit Blick in den Wald, dahinter liegt der Wintergarten

Meconopsis und Persicaria sp. entlang des Bachlaufes

Auf der anderen Seite des Baches befinden sich weitere Staudenbeete, die mit Iris sp. und Zwiebelgewächsen die Saison verlängern. Alles in allem fügen sich die Beete stimmig unter den existierenden Baumbestand ein. Dahinter lag die Orangerie, welche früher wohl einmal ein Glasdach besaß, seit Jahrzehnten aber mit einem normalen Dachfirst und Schiefer versehen ist. Drinnen gab es eine Hand voll Kübelpflanzen, darunter zwei Orangenbäumchen, Kletterpflanzen und interessanterweise Wollemia nobilis. Dabei hätte ich gedacht, dass dieser, erst kürzlich wieder entdeckte, Nadelbaum die kälteren Winter um Manchester auch draußen überleben würde. Immerhin sind unsere Wollemia nobilis im Sir Harold Hillier Arboretum bei -15°C ohne Schaden durch den Winter gekommen. Womöglich wollen die Gärtner hier auf Nummer sicher gehen, schließlich ist jedes Exemplar der Wollemia kostbar. Trotzdem schade, dass dieser herrliche Baum sich nicht frei entfalten darf.

Die Orangerie

Der Besuch des Garten in Dunham Massey war insgesamt äußerst angenehm. Die Anlagen und Beete waren gepflegt und abwechslungsreich gestaltet. Aufgrund des kühleren Klimas im Vergleich zu Südengland sind die Möglichkeiten in botanischer Hinsicht natürlich begrenzt, dennoch wurde hier das Potential gut ausgeschöpft. Das Herrenhaus selber habe ich mir nicht angesehen. Dazu bin ich einfach zu botanisch orientiert. Ich habe mir aber sagen lassen, dass das Haus von innen herrlich restauriert ist und in sehr gutem Zustand. Die Stewardessen im Haus erzählen außerdem authentische und spannende Geschichten aus vergangenen Zeiten. Allerdings reicht, wie so oft, ein einziger Tag nicht um alles zu erkunden. Neben dem Garten und dem Herrenhaus sind über das ganze Anwesen verstreut weitere Sehenswürdigkeiten. Im Wildpark kann man beispielsweise kleine Teiche mit Seerosen finden, Obelisken und Statuen, oder eine alte Mühle.

Ein Besuch in Dunham Massey ist auf jeden Fall sehr zu empfehlen!


Teichrosen im Wildpark

(fast) zahme Rehe wohin man sieht


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