Freitag, 7. Juni 2013

Monks Dale, Peak District

Zu Besuch bei Freunden in der Nähe von Manchester planten wir durch den landschaftlich wunderschönen Peak District Nationalpark zu wandern. Durchzogen von vielen Tälern und Felshängen wählten wir Monks Dale als unsere Route. Dies erschien als abwechslungsreichste, atmosphärischste und spannendste Strecke, so wurde Monks Dale von unserem Freund und Wanderführer empfohlen.

Der Peak District liegt im Norden Englands in der Nähe städtischer Ballungsräume wie Manchester, Huddersfield, Leeds und Stoke-on-Trent. Er bildet das südliche Ende des Mittelgebirges Englands, den Pennines. Teile des Peak Districts liegen auch in den Grafschaften Cheshire, Staffordshire sowie South und West Yorkshire. Im Jahre 1951 wurde der Peak District der allererste Nationalpark Englands.

Geologisch betrachtet ist der Peak District in "Dark Peak" und "White Peak" aufgeteilt. Der sogenannte "Dark Peak" liegt im Norden und ist von Mooren und Basaltgestein geprägt, während "White Peak" im Süden von Kalkstein dominiert wird. Große Teile des Gebietes liegen über 300m hoch, der höchste Punkt ist der Gipfel des "Kinder Scout" mit 636m.

Orchis masula
Gleich zu Beginn wurden wir am Eingang zum Monks Dale von vielen wilden Orchideen willkommen geheißen. Die sanften Hänge waren übersäht mit den pink blühenden Orchis mascula. Ich konnte mich gar nicht satt sehen, denn ich hatte noch nie so viele zusammen gesehen. Von dort ging es buchstäblich über Stock und Stein. Der Trampelpfad führte uns durch ein kleines Tal (engl: dale), welches mit Moos und wilden Kräutern in saftigem Grün überwuchert war. Haselsträucher boten sanften Schatten an diesem herrlichen Sommertag. Der Grund war grob steinig und war damit sehr abwechslungsreich, gleichwohl nur mit robustem Schuhwerk und gesunden Beinen zu bewältigen.


Monks Dale, Peak District
Ab und an wehte ein starker Knoblauchgeruch herbei, denn Allium ursinum, der Bärlauch war in Blüte. Sehr lecker sind die Blätter im Salat oder zu einem Pesto verarbeitet für Pasta etc. Ich liebe Knoblauch und Bärlauch hat einen wundervollen milden Geschmack, im Gegensatz zu gewöhnlichem Knoblauch. Obgleich der Geruch genauso stark ist. Auf jeden Fall sollten jegliche Pflanzenteile aber vor der Nutzung gewaschen werden.

Ebenso waren die Hänge überdeckt mit der englischen Hasenglocke, Hyacinthoides non-scripta. Dies ist eine sehr typisch-englische Landschaftansicht, die man zu dieser Jahreszeit überall zu sehen bekommt. Zumeist stehen Haselsträucher oder lichte Eschenwälder in einem tief-blauem Teppich der Hasenglocken.

Bärlauch, Allium ursinum
Das Mönchstal (engl: Monks Dale) führte durch einen Eschenhain. Beim Betreten gab es ein Informationsschild, dass dieses Gebiet unter Beobachtung steht. Der Verdacht bestand, dass dort Eschen von der garstigen Pilzenfektion Chalara fraxinea befallen waren. (siehe dazu auch Blogeintrag: "Großes Eschensterben") Leider waren die meisten Triebe der umstehenden Eschen hoch über unseren Köpfen, hätte ich doch gerne potentielle Symptome genauer betrachtet. Dennoch konnte man auf den ersten Blick sehen, dass so einige Eschen hier nicht ganz so gesund und stark waren wie benachbarte Bäume. Einige waren quasi im Wuchs stecken geblieben so schien es, die Knospen halb geöffnet, ohne die Blätter tatsächlich zu entfalten, während alle anderen Eschen in vollem Wachstum standen.

Eschensterben?
Hinaus aus dem Tal ging es weiter durch eine herrliche Flur, so dass ich die ernüchternden Eschen hinter mir lassen konnte. Es war schon erschreckend deren Zustand zu sehen. Bisher hatte ich nur von der Krankheit gehört und gelesen. Aber das tolle Sommerwetter machte alles wieder gut; blauer Himmel bei wunderbarem Sonnenschein. Falls irgendjemand noch glaubt in England regnet es andauernd, dem kann ich aus vollem Herzen das Gegenteil beweisen. Zumindest seit ich ausgewandert bin, hatten wir oftmals besseres Wetter als daheim in Deutschland.

Eine wunderschöne Flur bei schönem Sommerwetter



Nach etwa drei Stunden hatten wir ungefähr die Hälfte unseres Weges geschafft. Wir rasteten unter einem Baum und genossen den Frieden um uns herum. Wir hatten auf dem Weg nur zwei Leute getroffen und nicht das kleinste Stückchen Müll bisher entdeckt. Sehr befriedigend. So konnten wir total entspannt die Seele baumeln lassen. Wieder einmal wünschte ich mir einen Hund zu haben, war dieser Wanderausflug doch geradezu ein Paradies für Hundebesitzer. Leider dürfen wir in unserer Wohnung keine Haustiere halten, obendrein wäre es unfair dem Hund gegenüber die meiste Zeit des Tages zehn Stunden eingesperrt zu verbringen. Ich hoffe irgendwann irgendwo zu arbeiten, wo ich einen Hund im Garten auf der Arbeit dabei haben darf.

Nach einer kleinen Stärkung machten wir uns also auf die zweite Etappe zu bewältigen. Weiter ging es am Bach entlang, der allmählich breiter und wilder wurde, bis es ein kleiner Fluss geworden war. Gegen die Strömung gingen wir durch weitere Täler und Mündungen, umgeben von dieser wunderschönen Landschaft.


Ein Viadukt aus römischer Zeit.
Ein Viadukt aus römischer Zeit war in der Vergangenheit auch als Bahntrasse genutzt worden. Nun aber stillgelegt ist es jetzt teil des Wanderweges. Wenn man denn die steilen Treppen bewältigt. Wir trafen auf immer mehr Abzweige, die steil hinaufführten. Immer wieder öffnete sich das Tal zwischendurch zu einer weiten Flur und bot schöne Aussichten auf die Landschaft.



Die Höhenunterschiede, die wir zu überwinden hatten, wurden jedoch zunehmend größer. Wo zunächst sanfte Hügel gewesen waren, änderte sich die Landschaft zu immer steileren Hängen bishin zu eindrucksvollen Schluchten. Wir folgten weiterhin flussaufwärts und ließen das Viadukt zunächst hinter uns.

Dann nach einer steilen Wegbiegung tat sich plötzlich völlig unerwartet eine dramatische Klamm auf. Der Fluss war still, dunkel und tief. Die Luft feucht und die Klippen über uns viele Meter hoch. Ich bekam ein wenig Gänsehaut, welch eine fantastische Atmosphäre!

Gänsehaut

Meiner einer, um der Steilwand zu ihrer wahren Größe zu verhelfen.
Insgesamt wanderten wir um die sechs Stunden auf und ab durch dieses teilweise wilde, aber wunderschöne Tal. Zur Belohnung für die abenteuerliche und anstrengende Treckingtour gab es diese herrliche Aussicht, bevor es zurück ging.


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