Samstag, 8. Juni 2013

Sandstone Trail, Peckerforton Hills, Cheshire

Am Anschluss an den gestrigen Wandertag durch den Monks Dale, entlang des kleinen Flusses und saftig grünen Auen, ging es heute östlich vom Peak District zu den Cheshire Plains. Der "Sandstone Trail" (zu deutsch: Sandsteinweg) ist ein 55km (oder 34 Meilen) langer Wanderpfad, der von Norden nach Süden entlang der Sandsteingrate führt.

Wir begannen unsere Wanderung am Fuße von Bulkeley Hill, welcher den südlichen Zipfel der Peckerforton Hills bildet. Von hier ging es zunächst durch lichten Buchenwald bergauf. Der gesamte Hügel ist bewaldet und spendete uns angenehmen Schatten an diesem warmen Sommertag.

lichter Buchenwald, Bulkeley Hill
Fantastische Wurzelgebilde
Unter den Waldbäumen fanden wir so manches Exemplar, das sich mühsam an den bröckelnden Sandstein klammerte. Fantastische Wurzelgebilde ragten aus Gesteinslücken heraus, zum Teil ausgewaschen über Jahre, erscheint es fast unmöglich auf diese Weise dem Boden Wasser und Nährstoffe zu entringen. Dennoch haben sich diese Bäume hervorragend angepasst und Wege gefunden hier zu überleben.


Eine gute Inspiration für Bonsai - denn nicht anders ist die Kunst der Bonsaigestaltung entstanden: durch Nachahmung der Natur.

Im Wald fanden wir außerdem sehr alte Bäume, mit knorriger Erscheinung und urigem Umfang. Immer wieder finde ich es faszinierend, wenn man bedenkt wieviel diese Bäume "gesehen" haben. 200 Jahre oder gar 500 Jahre erscheinen für uns Menschen eine lange Zeit. In der Zeit der Bäume passiert in 500 Jahren kaum etwas, dagegegen die historische Entwicklung der Menschheit voller Geschichten ist. Wie viele Kriege solche Bäume "gesehen" und überlebt haben, Veränderungen der Landschaft durch Landwirtschaft und Bebauung oder Industrialisierung.

Wie alt dieser Baum wohl ist?

Alter Baum mit schönem Wurzelansatz (Nebari).

Und wie alt ist dieser?

Natürliche Totholzbereiche
an einer Esskastanie, Castanea sativa
- ein wunderbares Studienobjekt
für die Shari- und Jin-Gestaltung
in Bonsai

Die Cheshire Plains ist ein relativ flaches Tiefland, welches fast ausschließlich in der Grafschaft Cheshire im Nordwesten Englands liegt. Begrenzt im Westen von den Hügeln Nord-Wales und dem Peak District im Osten umfasst die Ebene zwei Bereiche mit unterschiedlichen Charakteren. Im Westen verläuft die Hügelkette der Mid Cheshire Ridge, während der größere Teil der Plains sich östlich erstreckt.

Die Mid Cheshire Ridge ist ein Bereich niedriger Sandstein Hügel, die sich von Norden nach Süden erstrecken. Der Grat ist unterbrochen und formt so zwei Hügelblöcke im Norden und im Süden mit der sogenannten "Beeston Gap" dazwischen. Die Formation "Peckforton Hills" liegt im Süden, während die größere Gruppe im Norden scheinbar keinen gemeinsamen Namen trägt.

Die Cheshire-Ebene von den Peckerforton Hügeln aus gesehen.

Die Cheshire-Ebene im Osten.
Von Bulkeley Hill also wanderten wir entlang der Hügelkämme der Peckerforton Hills. Von etwa 200m üNN aus hatten wir hervorragende Aussichten auf die Cheshire Plains unter uns. Dank der klaren Sicht konnte man bis weit in den Horizont blicken. 

Die Ebene wird auch Cheshire-Becken genannt. Es wird davon ausgegangen, dass es seine jetzige Form in der letzten Eiszeit vor etwa 20.000 Jahren bekam. Beim Schmelzen des Eises verblieben die Sedimente und bildeten so vor ca. 15.000 Jahren eine dicke Schicht Geschiebemergels, welches sich als umfangreiche Landstriche aus glazio-fluviale Sande und Kiese zeigt.

Heute besteht die landwirtschaftliche Nutzung der Cheshire Plains zumeist aus der Milchwirtschaft, welches der Landschaft mit den heckenumschlossenen Feldern das typische Aussehen verleiht. Die Seiten des Hügels selbst wurden zunehmend abschüssiger und die steilen Böschungen erinnerten bald an Schluchten. Die Aussichten wurden dramatischer.

dicht begrünter Sandstein an dramatischen Böschungen der Peckerforton Hills

Der Sandsteinweg machte seinem Namen alle Ehre, war der Wanderweg durchweg sandig. Dies gab dem Ganzen ein richtiges Urlaubsgefühl, wo ja auch die Sonne so herrlich schien heute; allein das Meeresrauschen fehlte. Der Sandstein in dieser Gegend war vorwiegend rötlich mit beigen Tönungen. Oft gab es einige Stellen wo der Sand lose und nicht festgetreten war. An steileren Passagen erschwerte der Sand somit etwaige Klettereien abseits des Weges, da man keinen richtigen Halt bekam. Der Fuß rutschte einfach auf dem trockenen Sand weg.

Wir wollten ein wenig mehr entdecken und verließen den Wanderpfad. Nach ein wenig abenteuerlichem Klettern fanden wir eine große Sandsteinhöhle, die angeblich in der Eisenzeit tasächlich Menschen als Behausung gedient hatte. Der Eingang war recht versteckt, über uns meterhoher Sandstein in vom Wind und Regen geschliffene Wellen.


meterhoher Sandstein mit wunderschöner Maserung und Form

Höhle der Eisenzeit-Menschen

Eingang der Höhle

Ob tatsächlich Menschen einst in dieser Höhle gelebt hatten, wäre durchaus gut denkbar. Die Lage wäre perfekt für eine Behausung. Geschützt von den Elementen durch die steilen Felswände und der dichten Bewaldung wäre es ideal. Aber womöglich sah die Landschaft damals anders aus. Vielleicht war die Felswand über dem Eingang ein Überhang gewesen und die Bäume direkt vor der Höhle nicht existent. Wer weiß...

Nach diesem kleinen Abstecher gingen wir zurück zum Sandsteinweg, verließen ihn aber alsbald wieder um einen Rundweg durch die Felder zu finden. Schließlich verläuft der Sandstone Trail nur in Nord-Süd-Richtung.

Unglaubllich, wer auf solch eine dumme Idee kam, diese Kiefer als Zaunpfahl zu benutzen.
Nach etwa fünf Stunden gelangten wir durch die Felder zurück zum Bulkeley Hill. Es war ein herrlicher Wandertag, nicht ganz so anstrengend wie der gestrige, dennoch sehr abwechslungsreich in einer wunderschönen, englischen Hügellandschaft. Man kann hier stundenlang Laufen, ohne dass es je langweilig wird. Zu schade, dass wir morgen wieder zurück nach Hause fahren müssen. Es gibt hier in Cheshire und dem Peakt District so vieles zu entdecken. Wer also Spaß auf einen Wanderurlaub hat, dem kann ich diese Gegend Englands nur wärmstens empfehlen!

charmant, Veronica chamaedrys

Zurück zum Bulkely Hill, wo unser Auto parkte.

Panorama Aussicht, Peckerforton Hills

1 Kommentar:

  1. Toll...ich bin total fasziniert und danke dir dass ich dich begleiten konnte. Sage auch immer: wenn diese Bäume sprechen könnte, was für Geschichten könnten sie erzählen.

    Wundervoll wie sie ihren Weg des überlebens finden und was für bizarre Gestalten so manchmal entstehen können.

    Traumhaft schön und mystisch zugleich^^

    Ganz ganz tolle Aufnahmen!!!

    Liebe Nachtgrüsse

    Nova

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